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    <title>Stiftnürsel</title>
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    <title>Nicht aufregen</title>
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            <category>Freie Texte</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Sven Himmen)</author>
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    Ich sitze in meiner Wohnung und werde nass. Ein kaputtes Dach hat nichts damit zu tun.Über mir befinden sich noch zwei weitere Wohnungen. Wenn mich nach einem Dachschaden das einströmende Wasser erreicht hat, dann muss hier schon einiges los sein. Und das ist es nicht. Hier ist gerade gar nichts los. Ich sitze einfach nur gemütlich am geöffneten Fenster, genieße die frische Luft (die mich von der unter meinem Wohlfühlausblick liegenden Hauptstraße aus erreicht) und schreibe diesen Text. Dass es regnet, ist mir egal. Ich mag Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum nur ist ein Großteil der Menschheit Regen gegenüber so ablehnend eingestellt? Wenn es regnet, sind immer gleich alle am jammern und am stöhnen. Man greift zu Regenschirm und -jacke und rennt schmollend durch die Gegend. Wie gemein die Natur doch wieder zu einem ist. Man wird nass. Nass ist blöd. Selbst bei Nieselregen werden umgehend tragbare Schutzschilde aufgespannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich besitze keinen Regenschirm. Das hat zwei Gründe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens: Ich habe kein Problem damit, nass zu werden. Warum auch? Ich habe Kleidung zum Wechseln zu Hause. Meistens ist der Austausch von Kleidung nach dem Regen aber gar nicht nötig. Nach ein bisschen Geniesel hat sich zwar Wasser auf mir niedergelassen, dieses richtet sich aber nicht länger als dreißig Minuten bei mir ein. In dieser Zeit nehme ich meine zusätzliche Kleiderflüssigkeit hin und denke nicht weiter darüber nach. So gehe ich sowohl zu Hause als auch während Besuchen bei anderen Leuten vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sollte ich aufgrund starken Regens mal richtig durchnässt und nicht zu Hause sein, so sitze ich diesen Umstand ebenfalls aus. Es ist nur Wasser. Das trocknet schon wieder. Sollte sich der Gastgeber um seine Möblierung oder den Teppichboden Sorgen machen, setze ich mich aber selbstverständlich auf eine Decke. Ich muss die Nässe nicht weitergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens: Ich hasse es, Regenschirme in der Hand zu halten. Diese Dinger sind unglaublich unpraktisch. Zunächst einmal hat man eine Hand weniger frei als sonst. Ich brauche meine Hände, wenn ich unterwegs bin. Zum Beispiel um sie lässig in meine Hosentaschen zu stecken. Sie mit einem Regenabwehrmechanismus zu bestücken, kommt nicht in Frage. Außerdem muss man bei Windstößen aufpassen, dass sie einem nicht aus der Hand geweht werden. Schon mal bei starkem Regen zwischen zwei Hochhäusern durchmarschiert? Auf diesen Kampf kann ich gerne verzichten. Da werde ich lieber nass. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ich auch nicht mag: Kleine Menschen mit Regenschirmen, die sich ihrer geringen Größe und der davon ausgehenden Gefahr nicht bewusst sind. Wenn Regenschirmränder mit mir auf Augenhöhe stehen, wechsle ich gerne mal die Straßenseite. Oder weiche auf die Fahrbahn aus. Auf einer Hauptstraße fühle ich mich sicherer als einem kleinen Menschen mit Regenschirm entgegenzugehen. Wie oft stand ich kurz davor, ein Auge zu verlieren, nur weil ein ignoranter Zwerg in der Schule gefehlt hatte, als Aufmerksamkeit gelehrt wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein. Regenschirme kommen mir nicht in die Hand. Und die Welt wäre ohne sie sicherer. Im Herbst über die Frankfurter Zeil zu schlendern kommt einem Spießrutenlauf gleich. Warum? Wegen all den Menschen, die sich aufgrund eventuell eintretender Regenschauer mit Schirmen bewaffnet haben, diese nun in der Hand halten und ihren Armbewegungen beim Gehen angepasst mitschwingen lassen. Der Herbst ist für mich die Jahreszeit, in der ich stets Angst um meine Zeugungskraft habe, wenn ich draußen unterwegs bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das alles erklärt nicht, warum ich Regen mag. Ich will ehrlich sein: Eine Erklärung kann ich dafür gar nicht geben. Ich mag es einfach, nass zu werden. Mal ein Beispiel: Vor einiger Zeit saß ich in der U-Bahn. Als die Bahn irgendwann an der Oberfläche fuhr, bemerkte ich, dass es draußen regnete. Und zwar richtig. Ich stand auf, verließ die Bahn und ging den Rest der Strecke nach Hause (geschätzte 20 Minuten lang) zu Fuß. Als ich zu Hause war, war ich vollkommen durchnässt. Von oben bis unten. Hätte man mich ausgewrungen, wäre am Ende vermutlich so viel Wasser meiner Kleidung entwichen, dass ich mich eine Woche lang davon hätte ernähren können. Ich ging schnurstracks ins Badezimmer, zog mich aus, stellte mich unter die Dusche und war am Ende erholt und glücklich. Dieser Moment beschreibt vermutlich am besten, wie sehr ich Regen mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich renne ich jetzt nicht sofort auf die Straße, wenn es regnet. So schlimm ist es dann auch wieder nicht. Ich nehme Regen einfach hin. Und manchmal kommt der Moment, an dem ich ihn richtig genieße. Gehe ich durch die Stadt und es nieselt, dann freue ich mich. Ich sehe all die Menschen, die sich an Geschäftswänden herumdrücken und den Tropfen ausweichen. Ich gehe währenddessen weit von Unterständen entfernt meines Weges und freue mich darüber, mehr Platz zu haben als an warmen Sommertagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich Brillenträger bin. Diese hört man nämlich häufig über Regen klagen, schließlich setzt sich dieser auf die Gläser und behindert die Sicht. Das stört mich auch nicht. Weil ich Kappenträger bin. Ohne meine Kappe gehe ich nur in Ausnahmesituationen aus dem Haus. Und dann gibt es da noch etwas anderes: Manchmal ist es ganz angenehm, nicht alles sehen zu können, wenn man in der Stadt ist. Meiner Meinung nach ist die Welt da draußen sowieso viel zu überladen. Hier hin und wieder einen Filter aus Regentropfen drüber zu legen, kann auch mal ganz angenehm sein. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 22 Apr 2012 18:27:45 +0200</pubDate>
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    <title>Handarbeit in Toilettenräumen</title>
    <link>http://www.stiftnuersel.de/index.php?/archives/214-Handarbeit-in-Toilettenraeumen.html</link>
            <category>Freie Texte</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Sven Himmen)</author>
    <content:encoded>
    Vor einiger Zeit saß ich auf einer Toilette und ich weise an dieser Stelle darauf hin, dass die folgenden Zeilen schwächeren Magengemütern unangenehm in die Weichteile treten könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war einmal eine Schulung in einem Firmengebäude. In der Nähe der Schulungsräume lagen die Toiletten. Das ist nicht wörtlich zu verstehen. Natürlich lagen da keine Toiletten auf dem Flurboden. Es gab Toilettenräume. Aber ich wollte vermeiden, das Wort „Räume“ zweimal hintereinander in einem Satz zu benutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besagte Etage bestand nicht nur aus Schulungs- und Toilettenzimmern. Dort wurde auch gearbeitet. Dies gilt es für die folgenden Schilderungen zu beachten. Genauso wie die Tatsache, dass man die Etage nur mit Hilfe von Chipkarten betreten konnte, die lediglich Mitarbeitern ausgehändigt wurden. Selbst wir Schulungsteilnehmer mussten klingeln, um Zugang zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun saß ich also auf der Toilette und bemerkte, dass es in meiner Kabine unangenehm roch. Also unangenehmer als man es von einer Firmentoilette erwarten würde. Irgendetwas roch streng danach, so schnell wie möglich weggespült werden zu müssen. Instinktiv schaute ich zwischen meinen Beinen hindurch und in die Toilettenschüssel hinein. Nein, ich hatte nichts dergleichen verursacht. Zudem sollte man den Geruch der eigenen Exkremente wiedererkennen und nicht als Störenfried wahrnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sah mich weiter um und sah rechts neben mir eine Wurst auf dem Boden liegen. Und mit „Wurst“ meine ich keinen Brotbelag sondern das, was nach der Brotbelagverdauung als Rest ausgeschieden wird. Sie war etwa so lang wie mein Mittelfinger, dafür aber doppelt so dick. Zumindest im gut gebauten Zentrum. Die spitz zulaufenden Enden wirkten wie zu oft getragene Bommelmützen und hinterließen einen zerfledderten Eindruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst wollte ich laut loslachen, riss mich aber noch einmal zusammen. Ich wusste nicht, ob ich alleine war. Wie würde es auf einen Außenstehenden wirken, wenn ich ein Toilettenabteil betreten und nach wenigen Sekunden lachen würde? Ich wollte Getratsche über Längen vermeiden und unterdrückte meinen Lachdrang, um meine Ehre zu schützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen überlegte ich, was hier passiert war. Wieso lag ein Stück Kot geschätzte 30 Zentimeter neben seinem Bestimmungsort? Und wer hatte es dort abgelegt? Und warum? Hatte man es versehentlich verloren? War es einem Mitarbeiter aus der Tasche gefallen? Nein. Schluss mit den Albernheiten. Ich hatte Mitleid mit dem Häufchen Elend. Es schien zu schluchzen. Offensichtlich hatte es seinen Vater verloren. Bevor jetzt Emanzen aufkreischen: Es handelte sich um eine Herrentoilette. Ja, ich bin ein Herr. Ein feiner Herr sogar. Im Gegensatz zum gemeinen Herren, der hier die Toilette nicht getroffen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder hatte er sie gar nicht treffen wollen? Ernsthaft: Wer eine Toilette mit Exkrementen füllen möchte, muss sich nur auf eine setzen. Das ist nicht schwer. Eine Wurst legt sich nicht einfach so neben eine Toilette. Sie wird gelegt oder gar geworfen (nicht „gar“ wie „garen“ bei der Essenszubereitung, nur um Missverständnisse aus der Welt zu schaffen). Und warum tut man das? Weil man ein Zeichen setzen will (ich weiß, wovon ich rede). Der beschränkte Zugang verhärtete meinen Verdacht so wie die Luft im Toilettenraum die Wurst (Ich hatte bereits ein Stück Toilettenpapier zusammengerollt und damit in den Kot gepiekt, um dessen Härtegrad zu bestimmen.): Hier hatte ein Mitarbeiter seinem Frust freien Lauf gelassen. Warum? Das konnte ich nicht erkennen. Er hatte mit dem Kot schließlich keine Nachricht geschrieben, die seine Tat rechtfertigte. Er hatte ihn nur abgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ich die Ursache nicht feststellen konnte, dachte ich über den Ablauf nach. Mir fiel nämlich etwas auf: Die Wurst lag genau unter der Abtrennung zwischen meinem Toilettenabteil und dem rechts neben mir. Ich konnte nicht sagen, ob sie von rechts oder von links an dieser Stelle platziert worden war. Und noch etwas fiel auf: Es gab keinerlei Kotspuren um die Wurst herum. Auf natürlichem Weg wäre es für einen Menschen unmöglich gewesen, sie so aus sich selbst fallen zu lassen. Man hatte sie dort gezielt abgelegt. Und es war sehr wahrscheinlich, dass dies unter Einsatz der eigenen Hände geschehen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab nun mehrere Möglichkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Man hatte sein Geschäft normal getätigt, daraufhin die Wurst aus der Toilette genommen und dort hingelegt, wo sie der eigenen Sache am besten dienen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Man hatte sein Geschäft auf dem Boden erledigt und das Resultat im Anschluss nach diversen Feng-Shui-Regeln so ausgerichtet, dass es der eigenen Gemütslage entsprach. Zuletzt wurden die Schleifspuren entfernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Man hatte sein Geschäft auf der eigenen Hand erledigt und die Wurst danach abgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese drei Fälle waren meiner Meinung nach die Offensichtlichsten. Aber ich konnte nichts anderes tun, als Vermutungen zu äußern. Ich wusste ja nicht einmal, ob Toilettenpapier benutzt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich saß ich mehrere Minuten lang auf der Toilette und dachte nach. Leider musste ich meine Überlegungen irgendwann unterbrechen. Die Frühstückspause dauerte nur zehn Minuten und ich hatte noch nichts gegessen. Ich hatte Brezeln dabei. Kurz überlegte ich, ob man die Wurst zu einer Brezel formen könnte, stellte aber schnell fest, dass sie dafür zu klein war und mir für diese Aktion das Geschick eines Bäckers fehlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erhob mich und ging, ohne eine Spur zu hinterlassen. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 24 Mar 2012 16:24:44 +0100</pubDate>
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<item>
    <title>Kassenopas und Kassenomas</title>
    <link>http://www.stiftnuersel.de/index.php?/archives/213-Kassenopas-und-Kassenomas.html</link>
            <category>Freie Texte</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Sven Himmen)</author>
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    Ich fühle mich dazu berufen, einen ernstgemeinten Ratgeber zu veröffentlichen, der die Welt ein wenig lebenswerter machen wird. Es geht um Kassenopas und Kassenomas, also einen ganz speziellen Teil der menschlichen Bevölkerung, mit dem schon ein jeder von uns in Kontakt stand und auf den man ausschließlich in Supermärkten trifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat man im Supermarkt seine einzukaufenden Waren zusammen und bewegt sich auf eine Kasse zu, ist es enorm wichtig, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, was für Menschen gerade darauf warten, abkassiert zu werden. Wo befinden sie sich, die Kassenopas und -omas? Aber wie identifiziert man sie überhaupt? Ganz einfach: Beide sind, wie der Name vermuten lässt, älteren Kalibers. Kassenopas wirken gestresst. Sie schauen sich die ganze Zeit über um, schütteln den Kopf und versuchen, zwischen den Supermarktregalen Mitarbeiter zu entdecken. Kassenomas dagegen lehnen resignierend auf ihren Einkaufswagen, schütteln ebenfalls den Kopf und starren teilnahmslos auf den Supermarktboden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei beiden Wesen ist es enorm wichtig, sie niemals direkt hinter sich stehen zu haben. Die Gründe dafür unterscheiden sich jedoch voneinander, weshalb ich separat auf sie zu sprechen kommen werde. Selbstverständlich dürfen folgende Regeln nur angewandt werden, wenn der Supermarkt gut gefüllt und der Weg zur Kasse ein langer ist. Bei Kassenopas gilt zudem: Eine Kasse darf nicht besetzt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kassenopas platziert man idealerweise direkt vor sich. Natürlich ist das nicht immer möglich, trotzdem ist zu beachten, sie niemals hinter sich stehen zu haben. Befindet sich ein nervöser Kassenopa hinter einem, sollte man ihn vorlassen. Egal, wie voll sein Einkaufswagen auch sein mag. Man kann davon nur profitieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steht man noch nicht in der Schlange, sondern bewegt sich erst auf eine zu und sieht in diesem Moment hinter sich einen Kassenopa, sollte man unbedingt so tun, als würde man gerade noch etwas interessantes in irgendeinem Regal liegen sehen, stehen bleiben, den Opa passieren lassen und ihm dann so unauffällig und dicht auf den Fersen wie möglich folgen. Immer daran denken: Ein Kassenopa muss nah vor einem stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat man sein Ziel erreicht, heißt es abwarten und mitspielen. Der Kassenopa wird sich umsehen. Immer und immer wieder. Dann wird er sich zu einem umdrehen, böse gucken und den Kopf schütteln. Dieses Balzritual sollte imitiert werden, um Vertrauen aufzubauen und den Kassenopa seelisch zu stärken. Sobald dieser so weit in der Schlange vorgerückt ist, dass er vor dem Ablageband der geöffneten und neben dem Ablageband der geschlossenen Kasse steht, geht es los. Er plustert sich auf, streckt die Brust einatmend nach vorne, lässt dabei seine Wirbelsäule knacken und gibt ein lautes „Kasse!“ von sich. Gerne imitiert er dabei mit seinen Händen ein Megaphon, um seine Seriosität zu unterstreichen. Die umstehenden Einkäufer werden von seinem Ruf sofort in den Bann gezogen und verstummen abrupt. Der Kassenmitarbeiter schaut in Richtung Kassenopa. Beide sehen sich an. Nur wenige Sekunden lang. Dann geschieht es: Der Mitarbeiter drückt auf einen Klingelknopf oder benutzt das Marktmikrofon, je nach Ausstattung, um einen Mitarbeiter an die geschlossene Kasse zu rufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kassenopa zeigt zunächst keinerlei Regung. Er schaut noch einmal kurz in Richtung des Mitarbeiters und geht dann ohne ein Wort zu sagen an die noch geschlossene Kasse. Für ihn ist es ganz selbstverständlich, dass er der Erste ist, der die neue Kasse benutzen darf. Schließlich ist ihre Öffnung ganz alleine sein Verdienst. Man selbst gönnt ihm diesen Erfolg, rückt ihm dabei aber gleichzeitig nicht von der Pelle. So schafft man es am Ende, als Zweiter an der Kasse zu stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollte klar sein, warum man einen Kassenopa niemals hinter sich stehen haben sollte. Bei beschriebenem Ritual könnte man versehentlich noch vor ihm zur neu geöffneten Kasse gehen und durch diese Tat eine volle Ladung Kassenopawut auf sich ziehen. Diesen Blick sollte sich niemand freiwillig antun, der in den nächsten Jahren noch beruhigt einschlafen möchte. Lässt man ihn dagegen passieren, steht man plötzlich den ihm folgenden Einkäufern gegenüber, die einem keine Chance lassen, sich irgendwo dazwischen zu quetschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommen wir nun zu den Kassenomas. Auch sie müssen vor einem stehen. Dies bringt jedoch keinerlei Zeitersparnis mit sich, sondern lediglich ein gesünderes Leben. Kassenomas sind nämlich Freunde der konstanten Vorwärtsbewegung. Um diese ungestört ausleben zu können, bewaffnen sie sich vor dem Einkauf stets mit einem Einkaufswagen, unabhängig von der Größe ihres geplanten Einkaufs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Kasse wird dann geschoben was das Zeug hält. Steht der Vordermann nicht auf den Fersen seines Vordermanns, wird mit Hilfe des Einkaufswagens nachgeholfen. Ganz unauffällig fahren sie einem dafür in die Hacken. Immer und immer wieder. Dabei schenken sie dieser Tat keinerlei Beachtung und gucken zum Beispiel auf den Boden, wühlen in den Einkäufen herum oder begutachten die eigene Geldbörse. So blocken sie jedwede Form der Kritik aus Richtung des Befahrenen ab. Schließlich bekommen sie diese ganz gezielt einfach nicht mit. Diskussionen über die physikalische Unmöglichkeit der geforderten Bewegungsabläufe werden so im Keim erstickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um sich vor Kassenomas zu schützen, kann man nichts anderes tun, als sie vor sich zu platzieren. Nähern sie sich mit einem zusammen der Kasse, wie bereits im obigen Kassenopafall beschrieben, kann man auf die gleiche Art und Weise verfahren. Ansonsten wird gelächelt und höflich vorgelassen. Kassenomas (und -opas) verstehen nicht, dass sich hinter der höflichen Fassade ein Zimmer voller Kriegsstrategien befindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hoffe, dass ich mit diesem Ratgeber den Einkauf meiner Leser angenehmer gestalten kann. Es handelt sich hier nicht gerade um komplizierte Regeln. Aber man muss sie kennen, um ein friedliches Leben mit den Kassenopas und -omas führen zu können. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 11 Feb 2012 20:22:28 +0100</pubDate>
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    <title>Kaffeegenuss mit Hürden</title>
    <link>http://www.stiftnuersel.de/index.php?/archives/212-Kaffeegenuss-mit-Huerden.html</link>
            <category>Freie Texte</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Sven Himmen)</author>
    <content:encoded>
    Zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass ich &lt;a href=&quot;http://www.stiftnuersel.de/index.php?/archives/50-Der-Kampf-gegen-eine-Sucht.html&quot;&gt;über meine Sucht geschrieben habe&lt;/a&gt;. Zwei Jahre. Das ist eine lange Zeit und viel ist passiert. Zum Beispiel bin ich fast vollständig auf koffeinfreien Kaffee umgestiegen und trinke das Zeug tatsächlich nur noch wegen seines Geschmacks. Dafür habe ich nun ein anderes und viel größeres Problem. Aber dazu sollte ich vielleicht ein wenig ausholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Toll. Jetzt habe ich meine Frau geschlagen. Konnte ich ja nicht ahnen, dass sie gerade hinter mir steht. Oh, doch, hätte ich. Schließlich wollte ich ihr etwas zeigen. Das hatte ich ganz vergessen. Wie so oft. Hey, das könnte ich doch als Überleitung verwenden. Gute Idee. Geliebte Frau: Es tut mir leid, doch dein Schmerz muss warten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergesse häufig Sachen. Aber warum erwähne ich das? Das geht vielen Menschen so. Ich will mich deswegen auch gar nicht aufspielen. Ein „Boah, der ist ja total der nachdenkliche Typ! Total mein Idol ab jetzt! So ein großartiger Mensch!“ will ich nicht hören. Wirklich nicht. Ein gewisser Grad an Vergesslichkeit ist vollkommen normal. Jeder hat das mal. Kein Grund für Übertreibungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe sogar den Vorteil, dass ich weiß, worin meine Vergesslichkeit begründet liegt. Ich denke viel nach. Das klingt schon wieder etwas eingebildet. Das will ich nicht auf mir sitzen lassen. Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. So. Die Einbildung liegt im Graben und wird von Raben zerstückelt. Kein schöner Anblick. Dafür kann ich nun in Ruhe weitererzählen ohne wie ein Angeber rüberzukommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke also viel nach. Man sagt dazu auch „in Gedanken versunken sein“. Ich denke eher selten an intelligentes Zeug. Meistens geht es um Textideen, Formulierungen, Pinguincomics oder Wurst. Nicht um Weltfrieden, Politik oder ähnliche Dinge. Während ich meinen Gedanken nachgehe, blende ich vieles um mich herum aus. Zum Beispiel Türen. Vor einiger Zeit kam ich von irgendwoher zurück nach Hause, stand vor meiner Wohnungstür, dachte an Currywurstgewürze, zog meinen Schlüssel, steckte ihn ins Türschloss und merkte, dass ich gar nicht vor meiner Wohnung stand, sondern vor der meiner unter mir wohnenden Nachbarn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Hause ist das Ganze noch schlimmer. Hier weiß ich schließlich, wie ich mich bewegen muss, um nicht irgendwo gegen zu laufen. Also versinke ich noch tiefer im Gedankensumpf. Und nun möchte ich wieder zu meinem Kaffeekonsum kommen. Vor einiger Zeit bekam ich eine Kaffeepadmaschine geschenkt. Da ich nicht mehr so viel Kaffee trinke war das ziemlich gut. Morgens eine Tasse zubereiten und ab dann nach Bedarf. Zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag. Dafür muss man keine Kanne belästigen. Ich freute mich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ich zum ersten Mal meine Küche unter Kaffee setzte. Ich sage bewusst zum ersten Mal. Mittlerweile ist es mir nämlich schon sechsmal passiert. In einem recht kurzen Zeitraum. Dazu kommen noch ein paar weitere fehlerhafte Aktionen meinerseits. Aber der Reihe nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine alte Kaffeemaschine hat mich nur selten im Stich gelassen. Natürlich tue ich ihr mit dieser Formulierung Unrecht. Wie sollte sie mich im Stich lassen? Sie führt nur Befehle aus. Die Schuld trage ich ganz alleine. Aber das möchte ich mir nicht eingestehen und darum trägt sie ein wenig Mitschuld. Ach, nein. Das ist lächerlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückblickend hätte ich das mit dem Umstieg auf eine Padmaschine niemals durchziehen dürfen. Die Probleme hatten sich doch angekündigt. Wie oft hatte ich vergessen, die Kanne unter meine Kaffeemaschine zu stellen? Viel zu oft. Ich weiß ja auch nicht, warum das immer wieder passierte. Da sitzt man am Schreibtisch, steht auf, füllt die Maschine mit Kaffeepulver, schaltet sie ein und setzt sich wieder an den Schreibtisch. Nach zwei Minuten schaut man zur Seite und siehe da: Da steht eine Kaffeekanne. Die Kaffeekanne, die eigentlich gerade unter der Maschine stehen sollte. So ein Mist. Zum Glück hatte meine Maschine einen Schutz für solche Fälle. Einen Auslaufschutz oder wie man das nennt. Ohne Kanne floss nichts an die Öffentlichkeit. So konnte ich die Kanne nachträglich drunter stellen und das recht starke Gebräu doch noch verwerten. Zum Abflussfreiätzen zum Beispiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirkliche Küchenunfälle produzierte ich dadurch nur selten. Ein paarmal passierte es, dass ich Wasser in die Maschine füllte, danach Kaffee in den Filter und letztendlich vergaß, die Filterkiste zu schließen. So prasselte das Wasser ungefiltert in die Kanne. Einmal hatte ich sogar diese vergessen unter die Maschine zu stellen. Keine gute Kombination. Aber es war nur Wasser. Heißes Wasser, wie ich nach dem Betreten der Küche und der sich darin vergnügenden Pfütze feststellen durfte. Trotzdem ist Wasser nicht so schlimm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Padmaschine hat wiederum keinen Auslaufschutz. Sie interessiert es nicht, ob gerade eine Tasse unter ihr steht oder nicht. Mich auch nicht. Die schnelle Art der Kaffeezubereitung hat dafür gesorgt, dass ich sie quasi gar nicht mehr beachte. Ich drücke einfach auf den Kaffeeknopf, gehe davon aus, zuvor eine Tasse bereitgestellt zu haben und verlasse die Küche. Und das hat mittlerweile zu den bereits angesprochenen Unfällen geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Maschine hat dort, wo man die Tasse abstellt, ein Gitter. Dort kann Kaffee reinlaufen, wenn man keine Tasse benutzt hat. Praktisch, oder? Ja. Wenn man nur kleine Tassen benutzt. Das tue ich aber nicht. Wenn schon, denn schon. Ich brauche meine große Tasse. Da habe ich mehr von und ich muss nicht so oft aufstehen, um mir Nachschub zu holen. Ja, faul bin ich auch noch. Aber darum geht es hier nicht. Hier geht es um Kaffe. Und davon kommt mehr aus meiner Maschine, als der Sammelbehälter fassen kann. Und dann beginnt der Spaß. Der Kaffee sucht sich eine passende Stelle, an der er überlaufen kann. Er fließt die Maschine herunter und sammelt sich erst einmal unter ihr. Dann fließt er in die Rille auf dem Küchentisch, an dem ich die Plattenverlängerung ausgezogen habe. Sagt man das so? Ich weiß es nicht. Muss ich auch nicht. Ihr wisst schon, was ich meine. Der Tisch ist zu klein, darum hat man unter der Platte zwei halbe Platte angebracht, die man ausziehen kann. Also nicht im Sinne von nackt machen, sondern im verlängernden Sinne. Und wenn man das macht, befindet sich zwischen großer und kleiner Platte eine Rille. Warum ich das so genau erkläre, weiß ich nicht. Das habe ich vergessen. Ich bin gerade ziemlich in Gedanken versunken. Mittels Rille fließt der Kaffe nun also über die gesamte Tischbreite, bis er an den Tischkanten ankommt und dort auf den Boden fließt. Das ergibt zwei Kaffeeflecken, die sich wiederum unter den Tischbeinen am wohlsten fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Puh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich betrete in freudiger Erwartung eines Kaffees die Küche und sage, nachdem ich das Desaster gesehen habe, erst einmal gar nichts. Dann schließe ich die Küchentür und mich ein. Ich will nämlich nicht, dass meine Frau mitbekommt, dass ich wieder einmal die Küche geflutet habe. Natürlich hört sie das Abschließen und schreit nur laut: „Idiot, nicht schon wieder.“ Ich will unbedingt das Küchentürschloss austauschen. Oder einen Schalldämpfer einbauen. Muss ich mir mal schnell irgendwo notieren. Ach Quatsch. Das kann ich mir schon merken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedenfalls wische ich dann die Küche. Ich stelle die Maschine auf die Spüle und wasche das Auffangbecken aus. Dadurch verbreitet sich der unter der Maschine herumtollende Kaffe noch ein bisschen mehr auf dem Tisch. Nun muss ich den Tisch vollständig frei räumen. Aber das ist auch gut so. Schließlich muss ich das Ding nach dem Reinigen der Platte sowieso ganz wegstellen. Ihr erinnert euch vielleicht: Die Tischbeine. Diese Prozedur zieht man etwa zweimal durch und lacht darüber. Nach dem fünften Mal lacht man nicht mehr. Mittlerweile hege ich Mordgedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das ist ja noch nicht alles. Heute geschah folgendes. Ich öffnete das Fach für die Pads, warf das alte weg und legte eine neues ein. Danach startete ich die Maschine. Sie zeigte an, dass zu wenig Wasser im Tank sei. Also füllte ich den Tank. Danach öffnete ich das Fach für die Pads, warf das alte weg und legte eine neues ein. Ich stellte eine Tasse unter die Maschine (immerhin) und aktivierte die Kaffeeproduktion. Danach setzte ich mich an den Rechner. Wenige Sekunden später hörte ich lautes Weinen aus der Küche. Ich schaute nach. Es kam aus dem Mülleimer. Ich sah hinein und in ihm lag ein unbenutztes Kaffeepad, das sich zwischen den Müsliresten des Vortags sichtlich unwohl fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Moment beschloss ich, diesen Text zu schreiben. Ich  bin kurz davor, die Padmaschine nicht mehr zu benutzen. Ich bin mit der Bedienung dieses Gerätes vollkommen überfordert. Ich weiß, dass es eigentlich vollkommen simpel ist, sich mit dem Ding einen Kaffee zu zapfen. Aber irgendetwas daran funktioniert nicht in Kombination mit meiner Lebensweise. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor ich meinem Küchentisch weitere Kaffeeduschen antue, steige ich wieder auf Pulver um. Ich habe sowieso gehört, dass Pulverkaffee viel besser schmeckt. Ich tue jetzt mal so, als würde ich das auch so sehen um mich als Profifeinschmecker hinzustellen. Schließlich habe ich mich zu Beginn dieses Textes viel zu sehr als Ottonormalverbraucher dargestellt. Jetzt brauche ich mal wieder eine gehörige Ladung Ego. Hoffentlich vergesse ich nicht, mein Gehirn unter die Egomaschine zu stellen. Sollte ich nicht langsam einen Krankenwagen rufen? Meine Frau liegt immer noch regungslos auf dem Boden. Was ist eigentlich passiert? 
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    <pubDate>Tue, 07 Feb 2012 15:20:39 +0100</pubDate>
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    <title>Planung ist das halbe Leben</title>
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            <category>Freie Texte</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Sven Himmen)</author>
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    Eines Tages wollte ein Jemand eine Reise tun. Dann merkte er jedoch, dass er nicht gerne Sachen tut, sondern viel lieber unternimmt. Das klingt nämlich viel feiner und gehobener. So verließ er das Haus und stellte fest, dass es regnete. Er wurde nass und verlor seine Reiselust. Also ging er zurück in seine Wohnung und beschloss, stattdessen mit dem Schreiben anzufangen. Er war schließlich ein spontanes Kerlchen und das konnte sich nur positiv auf seine Texte auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das tat es auch. Was ihm an Fachbegriffen fehlte, machte er mit Randnotizen, Abschweifungen und Einschüben wieder wett, die den Leser überraschten, in die Irre leiteten und dennoch an seine Texte fesselten. Er heimste einiges an Lob ein und freute sich darüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider ist Freude immer so eine Sache. Sie kann nämlich schnell in Einbildung umschwenken. Und das geschah auch bei unserem Jemand. Das bedeutete nicht, dass er von nun an mit einem so erhobenem Haupt durch die Straßen lief, dass er bei aufkommenden Regenschauern vor dem Ertrinken gerettet werden musste. Er nahm nur das Schreiben zu ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptgrund dafür war das Abenteuer, auf das er sich eingelassen hatte. Er wollte ein Buch schreiben. Einen langen Text. Den längsten seines Lebens. Er setzte sich an seinen Schreibtisch, legte beide Arme mittig darauf und begann zu schwimmen. Wie ein Brustschwimmer ließ er seine Arme durch den Müll auf seinem Tisch gleiten und schaffte es so innerhalb von Sekunden, für eine saubere Arbeitsumgebung zu sorgen. Zufrieden stand er auf, um sich sein Werk zu betrachten, musste daraufhin jedoch feststellen, dass er seinen Schreibtischstuhl in dem Chaos verloren hatte. Also fuhr er in die Stadt und kaufte sich einen Neuen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ging es los. Der Jemand begann zu planen. Er plante den Anfang und das Ende des Buches. Dann den Mittelteil. Dann den genauen Weg, der die drei Streckenpunkte miteinander verband. Er programmierte seinen Kugelschreiber wie ein Navigationssystem und ließ sich nun von diesem durch seine frisch erschaffene Welt leiten. Er kam nie vom Weg ab und landete am Ende eine Punktlandung. Das Buch war ein voller Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Planung und Veröffentlichung verstrichen etwa drei Jahre. In dieser Zeit wandte er seine Buchherangehensweise auch auf seine Kurztexte an. Er sammelte tagelang Ideen und setzte sie erst dann um, wenn er seinen Text bis zum Ende durchgeplant hatte. Am Ende musste er seine Text nur noch aus seinen Notizen abschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So zogen Monate ins Land und alles war gut. Unser Jemand hatte ein Buch veröffentlicht, bekam viele positive Rückmeldungen und schrieb fleißig weiter seine Kurztexte. Eines Tages geschah es dann: Er saß an einem Spielplatz und beobachtete zwei kleine Kinder, die sich gegenseitig mit dem Kot aus ihren Windeln bewarfen. Das taten sie so lange, bis ihre Eltern erschienen und sie anschrien. Daraufhin bewarfen sie ihre Eltern mit Kot. Das brachte den Jemand auf eine Idee. Er wollte ein zweites Buch schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesagt, getan. Erneut schwamm er über seinen Schreibtisch, fand dabei seinen ersten Schreibtischstuhl wieder und verkaufte daraufhin seinen zweiten über das Internet an eine Hummerfabrik. Dann ging es los: Er zog Stift und Papier hervor und begann zu planen. Er hatte nach wenigen Stunden die ersten Kapitel fertig und wollte diese nun erst einmal umsetzen. Er nahm sich seine Notizen für das erste Kapitel und schrieb sie ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat später war er verzweifelt. Er hatte seinen Text nun schon zum vierten Mal neu begonnen. Irgendetwas war geschehen. Das Schlimmste, was ihm hätte passieren können: Das Schreiben machte ihm keinen Spaß mehr. Er fand es langweilig. Er überflog die zuletzt geschriebenen Zeilen und begann zu gähnen. Was war los? Er wusste es nicht. Von der Buchidee war er begeistert. Er liebte die Charaktere und die Geschichte (auch wenn sie bisher nichts mit Kinderkot zu tun hatten). Aber die Umsetzung machte ihm keinen Spaß mehr. Der Jemand konnte einfach nicht erkennen, wo das Problem lag. Er war verzweifelt, erhob sich vom Schreibtisch und verließ das Arbeitszimmer, um sich im Wohnzimmer mit Hilfe einer Horde Spielekonsolen abzulenken. Das Einzige was er im Arbeitszimmer zurückließ waren seine Notizen und ein Frustfurz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es tagelang weiter. Die Zeit zog durch das Land und Unzufriedenheit breitete sich immer weiter aus. Der Jemand wusste nicht mehr weiter. Er vermutete, dass sich irgendwo in seiner Wohnung eine Schreibblockade häuslich niedergelassen hatte, doch er konnte sie einfach nicht finden. Er war kurz davor, aufzugeben. Er hatte keine Motivation mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann geschah es. Eines Nachts erreichte ihn die Nachricht seines besten Freundes. Dieser teilte ihm mit, dass er gerade am heulen war. Vor Lachen. Der Jemand fragte warum und die Antwort überraschte ihn: „Wegen einem deiner Texte.“ Natürlich freute dies den Jemand und er wollte mehr erfahren. „Welchen Text liest du denn gerade?“, fragte er. „Oh, einen ganz alten. Erinnerst du dich noch an unseren Zeltausflug vor neun Jahren? Da hattest du einen drüber Text geschrieben. Und verdammt ist der gut.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Jemand erinnerte sich an den Text. Er wusste noch, dass er sehr lange daran gesessen hatte. In diesem Moment schickte ihm sein Freund ein paar Zitate daraus. Und der Jemand musste ebenfalls lachen. Daraufhin öffnete er den Text auf seinem Computer und las ihn sich ebenfalls durch. Zunächst fand er alleine in den ersten beiden Absätzen mehr Rechtschreib- und Grammatikfehler als Wurstrückstände in seinem Magen. Doch dann realisierte er, dass dieser Umstand vollkommen egal war. Der Text war wirklich verdammt lustig. Er konnte sich selbst nicht mehr an all die Details erinnern und war überrascht, was er alles in diesen einen Zeltbericht gepackt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Jemand begann zu grinsen. Doch dann verließ ihn die Freude auch schon wieder. Er erinnerte sich plötzlich daran, wie viel Spaß ihm das Schreiben dieses Textes gemacht hatte. Und dann fiel ihm ein, dass er früher auch bei seinen anderen Texten eine gewisse Freude verspürt hatte. Diese Freude war es, die ihn einst zum Schreiben gebracht hatte und genau diese Freude war es auch, die er nun schon seit so langer Zeit nicht mehr gespürt hatte. Der Jemand wurde traurig und ging ins Wohnzimmer. Dort lief er minutenlang auf und ab und dachte nach. Irgendetwas stimmte nicht und er wollte wissen, was das war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich erkannte er, wo das Problem lag. Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen, obwohl er noch nie Schuppen auf den Augen gehabt hatte. Trotzdem fielen sie und ihm das Problem ein: Das Schlafzimmerfenster war noch geöffnet und draußen regnete es in Strömen. Schnell rannte der Jemand in besagtes Zimmer und schloss das Fenster. Die Gardine war zwar ein wenig nass geworden, Schlimmeres hatte er durch seine schnelle Reaktion aber zum Glück verhindern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück im Wohnzimmer platzte dem Jemand dann der Kopf. Erschrocken rannte er (der Jemand, nicht der geplatzte Kopf)  ins Badezimmer und blickte in den Spiegel. Erleichtert atmete er auf. Unter dem geplatzten Kopf hatte sich ein zweiter Kopf versteckt, der genauso aussah wie der erste. Niemand würde den Unterschied feststellen können. Nur der Jemand merkte sofort, dass sich zwei Dinge verändert hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst einmal war die Wohnzimmertapete aufgrund der Blutflecke vollkommen hinüber. Das war aber nichts, was man nicht beheben konnte. Schon morgen wollte der Jemand einen Landstreicher auf der Straße auflesen und ihm die Umschulung zum Wandstreicher finanzieren. „Jeden Tag eine gute Tat!“, sagt man schließlich. Und wenn einem die gute Tat dann letztendlich auch noch das Wohnzimmer verschönert, dann geht man auf jeden Fall als Gewinner nach Hause. Wenn man nicht schon bereits dort ist, weil man gerade eine Wand gestrichen bekommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite und viel wichtigere Punkt, der dem Jemand nun klar wurde, war der Grund für sein Schreibproblem. Er erinnerte sich daran, wie er diese alten Texte geschrieben hatte. Man konnte seine damalige Vorgehensweise mit nur einem Wort zusammenfassen: Spontan. Er hatte sich früher nie viele Gedanken über seine Texte gemacht. Er brauchte nur ein Thema und der Rest ergab sich von selbst. Er entschied sich während des Schreibens, wo die Reise hingehen sollte. Alles Weitere überlegte er sich nach der Einleitung spontan. Hatte er den Text fertiggestellt, musste er hier und da nur noch ein paar Kleinigkeiten korrigieren und am Ende hatte er einen Text erschaffen, mit dem er vollkommen zufrieden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau diese Spontaneität hatte der Jemand verlernt. Er nahm das Schreiben mittlerweile zu ernst. Es plante zu viel und nahm sich somit die Freiheiten, die ihn damals immer so motiviert hatten. Heutzutage wurden erst einmal Ideen gesammelt, dann die Geschichte geplant, die Absätze konstruiert und erst nach all diesen Phasen begann er das eigentliche Schreiben, das auf diese Art und Weise zu einem bloßen Abtippen von Schmierzetteln verkam. Er wusste wo er war und wo er hin wollte. Er musste nur noch ein paar Wörter auf den matschigen Boden zwischen den Textabschnittspfützen werfen. Und das machte ihm einfach keinen Spaß mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war nun nicht so, dass der Jemand unzufrieden mit seinen aktuellen Texten war. Natürlich mochte er sie noch, sonst hätte er sie nie vollendet. Aber der Schreibvorgang verkam zur Arbeit. Der Schaffensprozess spielte sich vorher ab. Er hatte weiterhin tolle Ideen, doch diese zu formulieren machte ihm früher eigentlich am meisten Spaß. Und genau diesen Vorgang hatte er sich selbst weggenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Jemand begann zu grinsen. Er hatte sein Problem gefunden und ein neues Feuer wurde entfacht. Irgendetwas kribbelte in ihm. Es begann an seinem Hals und bewegte sich von da an abwärts in Richtung Magengegend. Aus Reflex begann er sich an der Stelle zu kratzen, an der er das Kribbeln spürte und als ihn ein stechender Schmerz überfiel, stellte er fest, dass ihm eine Wespe unter sein T-Shirt gekrabbelt war. Das Kratzen hatte ihren Stechreflex ausgelöst und nun hing sie sterbend in seinem Bauchnabel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fluchend zog sich unser Jemand sein T-Shirt aus und sich das Getier aus der Haut. Wütend warf es auf den Balkon, stellte fest, dass die Balkontür geschlossen war und er die Wespe somit nur gegen die Scheibe geworfen hatte, öffnete die Tür, hob die Wespe auf und warf sie erneut auf den Balkon. Der Wind wehte sie, noch bevor sie den Boden erreichen konnte, zurück in die Wohnung und so beschloss der Jemand, dass er gerade wichtigeres zu tun hatte, als eine Wespe auf den Balkon zu werfen. Also ging er zurück in sein Arbeitszimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort setzte er sich an seinen Computer und schrieb nachts um drei Uhr einen Text, der lustiger war als alles, was er in den Monaten zuvor verfasst hatte. Er schrieb den Text am Stück, ohne Pause und ohne Planung. Und er hatte riesigen Spaß dabei. Als er mit dem Schreiben fertig war, schaltete er seinen Computer aus und tanzte voller Freude durch die Wohnung. Bis er auf die Wespe trat, deren Stachel noch immer intakt war und nun in seinem Fuß stecken blieb. Aber das kümmerte den Jemand gar nicht. Schließlich hatte er gerade seine Schreibblockade besiegt und seine Schreiblust wiedergefunden. Nach vier Sekunden bemerkte der Jemand aber, dass der Stich doch ziemlich weh tat. Er legte sich ins Bett und weinte sich in den Schlaf. Mit dem einen Auge weinte er vor Schmerzen, mit dem anderen vor Freude. 
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    <pubDate>Fri, 29 Jul 2011 22:21:37 +0200</pubDate>
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    <title>Meine Daten und die Freude</title>
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            <category>Freie Texte</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Sven Himmen)</author>
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    Vor einiger Zeit hatte ich Probleme mit meinen Daten. Sie gerieten in die falschen Hände und wurden von diesen für ihre niederen Zwecke missbraucht. Zwar finde ich Missbrauch an sich nicht so gut, bei meinen Daten war mir das bisher aber immer ziemlich gleichgültig. Soll man mit meinen Daten doch machen, was man möchte. Schließlich verliere ich nichts dadurch, dass andere Personen meine Daten bekommen. Ich stelle sie ja auch jedem öffentlich zur Verfügung. So ist das, wenn man eine Internetseite führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt mal ehrlich: Was sind das eigentlich für Daten, von denen panische Paranoiker immer so reden? „Ich kaufe nicht in Online-Shops ein, denn ich will denen nicht meine Daten geben!“ Nun, liebe Panikverbreiter, ihr solltet vielleicht mal darüber nachdenken, dass ein Online-Shop nicht eure Daten, sondern euer Geld möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich gibt es auch Firmen, die mit unseren Daten Handel treiben. Aber auch hier sehe ich kein Problem. Das Schlimmste, was passieren kann, ist der Erhalt von Werbebriefen oder -anrufen. Ein Beispiel für letztgenanntes Ereignis wäre folgender Anruf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie: „Schönen Guten Tag, spreche ich mit Herrn Nürsel?“&lt;br /&gt;
Ich: „Ja, am Apparat.“&lt;br /&gt;
Sie: „Herrn Stiftnürsel?“&lt;br /&gt;
Ich: „Vollkommen richtig.“&lt;br /&gt;
Sie: „Das ist ja super, dass ich sie gleich erreiche!“&lt;br /&gt;
Ich: „Ja, das dürfte auch meinen bisherigen Tageshöhepunkt darstellen.“&lt;br /&gt;
Sie: „Das ist ja fein!“&lt;br /&gt;
Ich: „Und eine Lüge.“&lt;br /&gt;
Sie: „Ich rufe im Auftrag der Firma Wurstmobil (Name frei erfunden) an.“&lt;br /&gt;
Ich: „Aha.“&lt;br /&gt;
Sie: „Sie hatten vor einiger Zeit an einem unserer Gewinnspiele teilgenommen. Erinnern sie sich?“&lt;br /&gt;
Ich: „Mhm.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das „Mhm.“ war vollkommen wertfrei gemeint. Ich war mir nämlich sicher, an keinem Gewinnspiel teilgenommen zu haben. Aber ich wollte schon gerne wissen, wie das Telefonat weitergehen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie: „Ist schon ein wenig her.“&lt;br /&gt;
Ich: „Mhm.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich beschloss, meine neutrale Richtung beizubehalten und während des Telefonats das Wohnzimmer aufzuräumen. Dafür war es mal wieder an der Zeit und ich dachte mir, mich auf diese Weise aus dem Langeweileloch ziehen zu können, in das mich die Anruferin gezerrt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie: „Es ging um Netbooks.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle wurde mir klar, dass ich meine „Mhm.“s wohl besser einstellen sollte, da man mich ansonsten mit weiteren Informationshäppchen bewerfen würde und ich langsam nicht mehr wusste, in welcher Hosentasche ich diese unterbringen sollte. Außerdem kann sich ein Mensch doch gar nicht so viel merken. Ich hatte zum Beispiel schon längst wieder vergessen, im Namen welcher Firma die Dame anrief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich: „Mhm.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verfluchte mich innerlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie: „Das Gewinnspiel wurde auf unserer Internetseite angeboten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verfluchte sie innerlich, ging ins Schlafzimmer, stellte mich vor den sich dort befindenden großen Spiegel, zeigte ihm den Mittelfinger und hoffte, so nicht mir, sondern der Anruferin den Mittelfinger zu zeigen. Ich sah mir meinen Mittelfinger von zwei Seiten gleichzeitig an und kam mir ein wenig albern vor. Ich ging wieder ins Wohnzimmer. Mein innerer Clownehund blieb zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich: „Mhm.“&lt;br /&gt;
Sie: „Ich habe gute Nachrichten für sie! Wir verlosen insgesamt 50 Netbooks und sie sind unter den 100 Personen gelandet, unter denen diese verlost werden.“&lt;br /&gt;
Ich: „Mhm.“&lt;br /&gt;
Sie: „Nun möchten wir aber noch schnell abgleichen, ob unsere uns vorliegenden Informationen mit den Tatsachen übereinstimmen. Sind sie damit einverstanden?“&lt;br /&gt;
Ich: „Klar, lassen sie mal hören.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es interessierte mich wirklich, was genau diese Leute über mich wussten. Und ich war überrascht, als man mir meinen Namen, meine Anschrift, meine Telefonnummer und meine E-Mail-Adresse nannte. Hier hatte jemand offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht. Ich war beeindruckt und besorgt zugleich, ging zurück zum Schlafzimmerspiegel und konnte anhand meiner aufgerissenen Augen erkennen, dass man mir dies auch hätte ansehen können, wenn ich der Anruferin gegenübergestanden hätte. Aber das tat ich nicht. Dies realisierend streckte ich ihr die Zunge heraus und ging wieder ins Wohnzimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich: „Ja, die Daten sind alle Korrekt, aber...“&lt;br /&gt;
Sie: „Wissen sie, es haben nämlich viele Minderjährige mitgemacht. Und darum rufen wir die Finalisten persönlich an, um alles zu überprüfen.“&lt;br /&gt;
Ich: „Mhm.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin also ein Finalist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie: „Aber das ist noch lange nicht alles!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich versuchte meine Freude in Zaum zu halten, stellte dann aber fest, dass diese von der ganzen Sache noch gar nichts mitbekommen hatte und nicht rumtollte, sondern schnarchte. Ich hob sie vom Boden auf und brachte sie ins Schlafzimmer, damit man das Schnarchen nicht mehr hörte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie: „Weil sie zu den 100 Finalisten gehören, bekommen sie von uns schon jetzt einen Preis. Und zwar eine Simkarte mit Flatrate für ihr Handy. Sie erhalten einen Gratismonat und können bei Nichtinteresse selbstverständlich ganz unverbindlich und überhaupt weil wir da sind und sie auch und Finalisten...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Chaos da oben tut mir leid. Ich gebe es zu: Ich habe nicht genau zugehört. Was interessiert mich der Handystuss einer Handytussi? Also griff ich zu einer Notlüge, um die Qualen meiner Ohren zu beenden, die lieber dem Schnarchen meiner Freude gelauscht hätten als dem Gelaber der Anruferin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie: „Welchen Flatratetarif möchten sie denn haben?“&lt;br /&gt;
Ich: „Zunächst hätte ich erst einmal gerne ein Handy.“&lt;br /&gt;
Sie: „Wie meinen sie das?“&lt;br /&gt;
Ich: „Ich habe kein Handy.“&lt;br /&gt;
Sie: „Sie haben kein Handy?“&lt;br /&gt;
Ich: „Nun, so ganz stimmt das natürlich nicht, doch es ist kaputt und ich könnte mit so einer Karte also gar nichts anfangen.“&lt;br /&gt;
Sie: „Wann bekommen sie denn ein Neues?“&lt;br /&gt;
Ich: „Keine Ahnung. Ich habe gerade keine Zeit, mich um so etwas zu kümmern.“&lt;br /&gt;
Sie: „Nun, weil sie es sind, bekommen sie nicht nur die Simkarte, sondern zusätzlich ein Startguthaben von 10 Euro für den zweiten Monat, der somit auch umsonst wäre.“&lt;br /&gt;
Ich: „MUSS ich diese komische Karte nehmen, wenn ich den Laptop gewinnen will?“&lt;br /&gt;
Sie: „Sie meinen das Netbook.“&lt;br /&gt;
Ich: „Natürlich.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ärgerte mich darüber, dass ich dieses überlebenswichtige Detail falsch verstanden hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie: „Ob sie die Karte nehmen oder nicht, liegt ganz in ihrem Ermessen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich schätzte die Wegstrecke zwischen Nutzen und Unnutzen einer nutzlosen Simkarte ab, ermaß noch ein wenig herum und kam letztendlich zu folgendem Schluss:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich: „Dann verzichte ich. Aber danke für das Angebot.“&lt;br /&gt;
Sie: „Wenn sie meinen. Dann habe ich nur noch eine Frage: Welche Farbe soll ihr Netbook denn haben?“&lt;br /&gt;
Ich: „Welche Farben gibt es?“&lt;br /&gt;
Sie: „Weiß, schwarz, grau und Neonähnliche Farben.“&lt;br /&gt;
Ich: „Neonähnliche Farben? Welche wären denn das?“&lt;br /&gt;
Sie: „Grün, blau, rot, pink...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich weiß ich nicht mehr, welche Farben sie genannt hat. Ich kenne mich auf dem Gebiet der Laptop-, Entschuldigung, Netbookfarbpaletten nicht so aus. Was mich gerade ziemlich glücklich macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich: „Dann nehme ich grün.“&lt;br /&gt;
Sie: „Wirklich?“&lt;br /&gt;
Ich: „Japp.“&lt;br /&gt;
Sie: „Das ist aber ein ziemlich knalliges Grün.“&lt;br /&gt;
Ich: „Aber das ist doch super!“&lt;br /&gt;
Sie: „Wenn sie meinen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Anruferin etwas gegen Grün hat. Aber ich ließ mir nichts anmerken. Ich wusste gar nicht mehr, warum ich noch nicht aufgelegt hatte und wollte jetzt nicht auch noch einen Streit aus Langeweile anfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie: „Gut, dann haben wir jetzt alles.“&lt;br /&gt;
Ich: „Das ist spitzenmäßig super.“&lt;br /&gt;
Sie: „Dann wünsche ich ihnen noch...“&lt;br /&gt;
Ich: „Eine Frage.“&lt;br /&gt;
Sie: „Bitte.“&lt;br /&gt;
Ich: „Wie kann ich sehen, dass ich gewonnen habe?“&lt;br /&gt;
Sie: „Oh, wir schicken ihnen dann eine E-Mail.“&lt;br /&gt;
Ich: „Aber klar.“&lt;br /&gt;
Sie: „Haben sie sonst noch Fragen?“&lt;br /&gt;
Ich: „Wann ist die Verlosung?“&lt;br /&gt;
Sie: „Ende des Monats.“&lt;br /&gt;
Ich: „Mhm.“&lt;br /&gt;
Sie: „War das alles?“&lt;br /&gt;
Ich: „Klar.“&lt;br /&gt;
Sie: „Dann wünsche ich ihnen noch einen schönen Tag.“&lt;br /&gt;
Ich: „Danke. Bis denn.“&lt;br /&gt;
Sie: „Tschüss.“&lt;br /&gt;
Ich: „Ja.“&lt;br /&gt;
Sie: „Wiedersehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich legte auf, um eine endlose Verabschiedungsschleife zu vermeiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen ging ich ins Schlafzimmer und weckte meine Freude. Wir gingen zusammen in die Küche und aßen einen Apfel. Danach tanzten wir eine Stunde lang um einen Elektrogrill herum und plötzlich fiel mir wieder ein, dass ich der Anruferin vielleicht doch hätte sagen sollen, dass ich nie an einem Netbookgewinnspiel einer Wurstfirma teilgenommen habe. Schließlich interessiere ich mich nicht für Netbooks. Ich benutze lieber Laptops.&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Wed, 27 Jul 2011 00:03:19 +0200</pubDate>
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    <title>Wisst ihr, warum ich grün mag?</title>
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            <category>Freie Texte</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Sven Himmen)</author>
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    Nehmen wir mal an, irgendein Mensch hätte vor langer Zeit beschlossen, die Wörter „Quiz“ und „Spiel“ zu vertauschen. Was würden die regelmäßig durch die Innenstadt tobenden Freudenmobs dann singen? Genau: „Das ganze Leben ist ein Spiel!“ Und wisst ihr, was das Tollste daran wäre? Nein? Ich schon!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun möchte ich aber zunächst ein paar Sekunden innehalten und nichts mehr zu diesem Thema sagen. Viel lieber warte ich ab. Schließlich möchte ich, dass ihr mir euer Interesse verkündet, indem ihr „Was ist denn das Tollste daran?“ fragt. Na? Habt ihr es schon getan? Da ich gerade erst diesen Text schreibe, ihr ihn somit noch gar nicht gelesen habt und ich es darum nicht kontrollieren kann, nehme ich es einfach mal an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soso, ihr möchtet also wissen, was das Tollste daran wäre? Nun, wenn ihr schon nachfragt, dann möchte ich es euch selbstverständlich nicht vorenthalten. Es ist ja nicht so, als hätte ich das da oben angedeutet, um es euch NICHT zu sagen. Ich wollte nur euer Nachfragen abwarten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tollste an der ganzen Sache wäre, dass ich mitten unter den fröhlichen Menschen herumtollen und mitsingen würde! Denn ich mag Spiele. Ich mag sie sogar so gerne, dass ich hin und wieder eigene Spiele erfinde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel dafür ist meine „Ich sitze am Tisch“-Strichliste. Hierbei handelt es sich um eine Strichliste, auf der ich vermerke, wie oft ich mich an einen Tisch gesetzt habe. Immer, wenn ich dieser Tätigkeit nachgehe, mache ich einen Strich auf meiner Liste. Am Ende der Woche setze ich mich dann an meinen Computer und erstelle eine komplizierte Exceltabelle, in der ich alle gesammelten Tischsitzinformationen alphabetisch anordne und in ein Tortendiagramm verpacke. Dadurch erhalte ich nach einigen spannenden Stunden voller Langeweile einen schönen, einfarbigen Kreis, der alles ist, nur nicht kompliziert. Diesen färbe ich dann in der Regel grün ein und ergötze mich an seinem Anblick. Ich finde grün nämlich toll. Noch toller als Spiele. Aber um diese sollte es hier viel eher gehen als um grün. Schließlich habe ich mich in der Einleitung auf sie bezogen. (Ich sitze übrigens gerade an einem Tisch. Der Strich dafür ist notiert. Ich arbeite sehr gewissenhaft.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist das Tischspiel aber nicht so spannend, dass es meinen Sinn nach Freude vollständig befriedigt. Darum habe ich mir etwas Neues einfallen lassen, das auf den Namen „Das Andeutungsspiel“ hört (manchmal auch auf Franz, das aber in der Regel nur, wenn es einen harten Tag hatte und nicht so genau hinhört) und funktioniert folgendermaßen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten spielt man das Spiel im Internet, genauer in einem Forum. Dort liest man jeden geschriebenen Beitrag und hält nach folgenden Sätzen Ausschau: „Mensch, heute ist mir etwas Tolles passiert!“, „Heute war ein blöder Tag.“, „Seufz, ich bin vielleicht mies drauf.“ oder „Haha, ihr glaubt nicht, was mir heute passiert ist.“ Wichtig ist, dass diesen Aussagen keine weitere Erklärung folgt und sie somit von nach Aufmerksamkeit dürstenden Labervampiren verfasst wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Habt ihr einen solchen Beitrag gefunden, beginnt das Spiel. Ihr wartet. Ihr wartet so lange, bis ein anderer Forenbenutzer ankommt und nachfragt, was der Vampir meinte. „Was ist denn passiert?“ ist ein schönes Beispiel für eine der gesuchten Formulierungen. Nun notiert ihr den Benutzernamen des Fragestellers auf einem Zettel und macht einen Strich hinter seinem Namen. Dieser Strich symbolisiert einen Minuspunkt, den besagte Person kassiert, weil sie so blöd ist, an den zuvor ausgeworfenen Aufmerksamkeitswurm anzubeißen und von nun an am Verliererhaken zappelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Spiel geht aber noch weiter: Sollte der Labervampir nun mit einem „Ach, frag besser nicht.“ oder etwas Ähnlichem antworten, notiert ihr auch dessen Namen auf der Liste, gebt ihm aber gleich zwei Minuspunkte, weil er seine Angel nicht nur ausgeworfen hat, sondern dies auch noch gleich zweimal und falsch herum. Dass es sich bei dieser Tätigkeit um Platzverschwendung auf einer öffentlichen Diskussionsplattform handelt, ist offensichtlich und dies mit zwei Minuspunkten zu ahnden definitiv gerechtfertigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Grunde ist das auch schon alles, was man zum „Andeutungsspiel“ wissen muss. Natürlich kann man es auch im „richtigen Leben“ spielen, im Internet füllt sich meine Liste aber in der Regel schneller als andernorts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir selbst macht mein Spiel sehr viel Spaß, auch wenn sich hier nach der wöchentlichen Excelbehandlung leider keine vollständig grünen Torten ergeben. Aber mir hat mal jemand erzählt, dass grüne Torten ein Zeichen für von Schimmel befallene Backwaren sind. Genauer kann ich diese Aussage leider nicht erklären, da derjenige, der diese gemacht hat, noch immer auf das „Warum?“ von mir wartet. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 26 Jul 2011 02:11:59 +0200</pubDate>
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    <title>Vom Wollen und Nichtkönnen</title>
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            <category>Freie Texte</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Sven Himmen)</author>
    <content:encoded>
    Ich habe mir in meinem Leben schon sehr viele Arztgeschichten anhören müssen. Menschen reden schließlich andauernd über gesundheitliche Probleme und hin und wieder scheint es so, als wolle man sich gegenseitig mit körperlichen Gebrechen übertrumpfen. Über dieses Thema möchte ich aber keine weiteren Worte verlieren, das habe ich schon viel zu oft getan und sie danach nie wiedergefunden. Ich möchte viel lieber positive Themen anschneiden und eine Empfehlung aussprechen. Eine Empfehlung für das unterhaltsamste Wartezimmer!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses gehört zu einem Arzt, den man in der Regel nur sehr ungerne aufsucht. Dem Urologen. Viele gehen nicht gerne zum Urologen oder nur, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Ich weiß nicht genau, ob das an Horrorvorstellungen über die Behandlungsmethoden oder bloßer Scham liegt, persönlich möchte ich aber mal ein gutes Wort für die Urologen da draußen einlegen. Sie sind auch nur Ärzte.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
Jetzt aber zurück zur Preisverleihung. Das Besondere an einem Urologenwartezimmer ist ein ganz bestimmter Gegenstand, der das zentrale Element der Einrichtung bildet: Der Wasserspender. Hierzu muss man folgendes wissen: Geht man zum Urologen, wird eine Urinprobe genommen. Auch, wenn man gar keine Probleme mit dem Wasserlassen oder dem Wasserlasser hat. Sicher ist sicher. Und wenn man schon mal da ist...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gibt es dabei aber ein Problem: Wer nicht muss, der kann nicht. Bei meinem ersten Urologenbesuch wusste ich zum Beispiel gar nicht, dass ich nach Ankunft einen Becher befüllen musste. Ich bin sogar vor dem Arztbesuch extra noch einmal auf die Toilette gegangen. Wie man das so macht, wenn man weg geht. Und somit stand ich vor einem Problem: Ich konnte nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber zum Glück war ich nicht der erste Mensch, der nicht konnte und so hatte man im Wartezimmer den oben angesprochenen Wasserspender aufgestellt. Dieser bildete in den nun folgenden Minuten den zentralen Knotenpunkt aller Anwesenden, denn fast jeder musste eine Urinprobe abgeben. So saß ich also mit etwa zehn (männlichen) Personen um einen Wasserspender herum, hielt einen Plastikbecher in der Hand und trank Wasser. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei gab es nun jedoch ein paar ungeschriebene Gesetze zu beachten. Zum Beispiel durfte sich immer nur eine Person am Wasserspender zu schaffen machen und sich vor allem niemand hinter den gerade seinen Becher füllenden anstellen. Das gehörte sich nicht. Man musste warten, bis sich der Auffüller wieder hingesetzt hatte. Nun schaute man sich um und prüfte, ob es nicht eine andere Person gab, die noch vor einem ein Recht auf frisches Wasser hatte. Zum Beispiel jemand, der schon länger als man selbst im Wartezimmer saß oder mehr Muskeln besaß und auf Streit aus war. War dies nicht der Fall, erhob man sich und füllte den eigenen Becher auf. Alle anderen warteten, schauten zu oder lasen eine der ausliegenden Zeitschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Füllvorgangs gab der Wasserspender lautes Gluckern von sich, das sich schon nach wenigen Minuten wie ein Ohrwurm in mein Trommelfell bohrte, einen Tunnel bis tief in mein Gehirn grub und sich dort festsetzte. Noch heute habe ich bei Gluckergeräuschen das Bedürfnis, in einen Becher zu pinkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So saßen wir also im Wartezimmer und tranken. Unser Ziel war klar: Der Gang zur Toilette. Immer wieder geschah es, dass sich einer der Anwesenden mit einem triumphalen Seufzer erhob, den Becher zerknüllte, ihn in den Mülleimer warf und das Wartezimmer verließ. Wir, die noch sitzenden Trinker, wussten, was das bedeutete: Er musste auf die Toilette. Er hatte es geschafft. Nach kurzer Zeit kam er wieder, trug ein breites Grinsen mit sich herum, setzte sich wieder hin, griff zu einer Zeitschrift und wartete auf das Gespräch mit dem Arzt. Wir anderen tranken weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es spielten sich nicht nur schöne Ereignisse ab, es gab auch Schicksalsschläge zu beobachten. So geschah es, dass sich zwischenzeitig ein Mann genauso freudig erhob wie der zuvor beschriebene, seinen Becher vernichtete und uns verließ, jedoch erst nach einigen Minuten gebeugt das Wartezimmer betrat, sich einen neuen Becher nahm, diesen auffüllte und sich peinlich berührt hinsetze. Er hatte versagt, sich geirrt. Es hatte nicht geklappt. Er konnte noch immer nicht. Und alle Anwesenden wussten das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich selbst sah mich jedoch mit ganz anderen Problemen konfrontiert. Nach diversen Bechern intus spürte ich den Siegesdruck meiner Blase und ging auf die Toilette. Dort nahm ich einen der zu füllenden Becher und legte los. Im Stehen natürlich. Zwar gab es eine Toilette, doch diese für besagte Zwecke zu benutzen, ist für einen Mann deutlich umständlicher als sich einfach hinzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider hatte ich die Bechergröße im Vergleich zum getrunkenen Wasser falsch eingeschätzt. Als ich die Zweidrittelmarke bereits überschritten hatte, musste ich mir etwas einfallen lassen. Der Toilettendeckel war schließlich nicht hochgeklappt. Ich möchte hier aber nicht weiter ins Detail gehen, sollte ein Zirkus jedoch einmal Interesse an einer artistischen Meisterleistung haben, so möge er mich bitte anrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesem Kunststück ging ich zurück ins Wartezimmer. Grinsend gab ich jedem zu Verstehen, dass es bei mir geklappt hatte. Von meinem Problem erzählte ich keinem. Es würde niemand erfahren. Ich hatte schließlich alle Spuren beseitigt. Zufrieden griff ich zu einer der ausliegenden Zeitschriften, lehnte mich in meinem Stuhl zurück und tat so, als würde ich lesen. Natürlich las ich nicht wirklich. Ich beobachtete weiter das Geschehen und lauschte dem Gluckern. Wie alle Lesenden um mich herum. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 30 May 2011 18:42:33 +0200</pubDate>
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    <title>Der Mähdrescher Kraftfahrzeugsimulator 2011</title>
    <link>http://www.stiftnuersel.de/index.php?/archives/207-Der-Maehdrescher-Kraftfahrzeugsimulator-2011.html</link>
            <category>Videospiele</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Sven Himmen)</author>
    <content:encoded>
    Bei dem „Mähdrescher Kraftfahrzeugsimulator 2011“ handelt es sich um eine jüngst erschienene Wirtschaftsfahrzeugsimulation, die sich im Laufe der letzten Woche an die Spitze meiner persönlichen Wirtschaftsfahrzeugsimulationentabelle gekämpft hat.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
In den letzten Monaten hat besagtes Genre bekanntlich einiges an Aufmerksamkeit bekommen, was es vor allem der Veröffentlichung des vierten Teils der „Straßenkehrer Fahrsimulator“-Reihe (2010) zu verdanken hat. Diese hatte sich seinerzeit getraut, dem 3D-Wahn - im Gegensatz zur Konkurrenz - nicht hinterherzurennen und sich ganz auf seine zweidimensionalen Wurzeln zu berufen. Anfangs wusste man noch nicht, ob sich dieser Schritt auszahlen würde, mittlerweile hat sich jedoch gezeigt, dass ein gutes Spielsystem alle 3D-Schreie verstummen lassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich selbst konnte mit dem „Straßenkehrer Fahrsimulator 2010“ aber leider nicht viel anfangen. Selbstverständlich kenne auch ich die wichtigsten Fahrzeugmodelle der Serie und ihre Spezifikationen. Wer nicht? Trotzdem war mir der „Straßenkehrer“ immer zu sauber und ordentlich. Klar, was will man von einem Spiel mit diesem Titel auch anderes erwarten? Dennoch: Mir ist bis heute fast keines der angebotenen Fahrzeuge sympathisch. Es muss bei mir einfach „klick“ machen, wenn ich mich im Farzeugauswahlmenü befinde. Und das tat es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da dies natürlich eine sehr subjektive Meinung ist, möchte ich auch betonen, dass ich mich zudem nie mit der Spielmechanik anfreunden konnte. Die Fahrzeugbedienung wollte mir nie so leicht von der Hand gehen, wie die Entwickler es wollten. Das ist nicht erst seit dem vierten Teil so. Aufgewachsen bin ich nämlich mit dem zweiten Teil der Serie. Bei einem Freund auf dem Supernintendo habe ich damals einige Stunden lang Straßen gereinigt und bin sogar kompetitiv gegen meinen Klassenkameraden angetreten. Aber die einzige Straße, die hier poliert wurde, war meine eigene. Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Das Wirtschaftsfahrzeugsimulationsgenre war sowieso noch nie mein Lieblingsgenre gewesen, was ich nicht nur auf den „Straßenkehrer“, sondern auch auf all die anderen Simulationen da draußen beziehe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch dann wurde der „Mähdrescher Kraftfahrzeugsimulator 2011“ angekündigt und plötzlich mein Interesse für das Genre neu entflammt. Ich erinnerte mich an meine ersten Kontakte mir der Serie, als die Animationen der einzelnen Fahrzeuge noch aneinandergereihte Fotos echter Fahrzeuge waren. Das hatte schon seinen ganz eigenen Charme. Aber im Laufe der Zeit machte auch diese Serie den Schritt in die dritte Dimension und ich verlor das Interesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum mich 3D stört? Das ist schwer zu erklären. Vermutlich liegt es daran, dass ich schon genug mit der Steuerung der Boliden zu kämpfen habe, wenn ich mich um ein zweidimensionales Terrain kümmern muss. Nun auch noch in die Tiefe gehen zu müssen, hat mich immer überfordert. Wie gesagt: Ich bin kein Profi im Bereich der Wirtschaftsfahrzeugsimulatoren. Und darum freute es mich auch, dass nun wieder alles anders ist: Keine 3D-Umgebungen. Keine Tiefe. Ich wurde hellhörig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile ist das Spiel erschienen, ich habe einige Stunden Spielzeit hinter mich gebracht und kann sagen: Alles ist so wie früher. Und sogar besser. Ich möchte mich nun aber von der technischen Seite entfernen. Das Wichtigste habe ich gesagt: Der Spielablauf ist zweidimensional, die Grafik erstrahlt dafür in augenmassierendem 3D.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was viel mir wichtiger ist: Das Spiel macht Spaß! Und das nicht zu knapp. Dies liegt zunächst einmal an den vielen unterschiedlichen Fahrzeugen. Etwa dreißig Stück haben es in das Spiel geschafft und wer glaubt, hier kein seiner Spielweise entsprechendes Gefährt zu finden, liegt falsch. Schon alleine das Fahrzeugdesign ist aufgrund seines Abwechslungsreichtums eine Augenweide, weicht es doch von den zuvor erwähnten, blank polierten Straßenkehrmaschinen ab. Gibt der Motor des Einen während der Arbeit laute Quiekgeräusche von sich, grummelt der des Anderen nur leise vor sich her und auch optisch bekommt man hier von „normal“ bis „vollkommen abgedreht“ einiges geboten. Das ist natürlich nicht verwunderlich. Mähdrescher dreschen auf dem Land, nicht auf der Straße. Hier geht es härter und dreckiger zur Sache. Hier gehen die Fahrzeuge nach einem langen Arbeitstag nicht nur einfach mal kaputt, sondern fliegen einem, wenn man nicht aufpasst, hin und wieder aufgrund extremer Überlastung in Einzelteilen um die Ohren. Aber so ist das eben auf dem Land. Die Charakterdarsteller des Fernsehepos „Bauer sucht Frau“ können ein schweißtreibendes Lied davon singen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz dieser Gefahren geht die Bedienung der Mähdrescher deutlich leichter von der Hand als die seiner Kollegen von der Straße. Mit höchstens vier Handgriffen hat man in der Regel alles erledigt und nach wenigen Spieltagen, wenn man sich auf eine Maschine konzentriert, alles Wichtige gelernt. Nun beginnt der eigentliche Spaß: Wie ein Tornado fegt man über die Felder, reiht Kombination an Kombination und drischt was das Zeug hält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bedienung mögen Freunde anderer Wirtschaftsfahrzeugsimulationen vielleicht als zu simpel bezeichnen, was aber nicht nur Geschmackssache, sondern sehr oberflächlich ist. Die einzelnen Aktionen so aneinanderzureihen, dass man gegen einen menschlichen Konkurrenzbauern (zum Beispiel den Nachbarsbauern, der einem die Erträge der eigenen Feldarbeit bildlich gesprochen um die Ohren hauen möchte) bestehen kann, ist schwerer als man zunächst annehmen mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt da aber noch einen anderen Punkt, den ich ansprechen möchte: „Der Mähdrescher Kraftfahrzeugsimulator 2011“ bietet seinem Käufer etwas, was ich von diesem Genre niemals erwartet hätte: Eine richtige Kampagne mit Hintergrundgeschichte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das läuft in etwa so ab: Man beginnt als Bauer A, der auf einem Erntedankfest seine Ernte präsentieren möchte. Das Fest findet in einer Woche statt und man ist fleißig am Landwirtschaften. Plötzlich steht Bauer B vor der Haustür, der schon immer auf die Leistungen des Spielers neidisch war und einen darum zu einem Wettkampf herausfordert. Er selbst will ebenfalls am Fest teilnehmen und seine Früchte präsentieren. Sogleich beginnt ein Kampf, den der Spieler nun für sich entscheiden muss. Das ist aber noch nicht alles! Nach ein paar Runden erscheint plötzlich Bauer C. Dieser ist nicht nur interessiert am Hof von Bauer B, sondern auch noch dessen Sohn! Der Spieler springt nun in die Rolle von Bauer C und tritt im Laufe der Geschichte wieder gegen andere Bauern an, die man dann einige Zeit später ebenfalls selbst spielt. Dieser Perspektivenwechsel zieht sich durch die gesamte Geschichte. Natürlich ist das Ganze hier und da ein wenig abgedreht und bescheuert, dennoch bietet es etwas, was mir bisherige Wirtschaftsfahrzeugsimulationen nie bieten konnten: Spannende Unterhaltung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber noch lange nicht alles: Die gewöhnlichen Einzelspielerkarten, die man von der Konkurrenz und früheren Teilen der Serie kennt, sind ebenfalls enthalten und diverse Glücksspiele, bei denen die Mähdrescher nach dem Zufallsprinzip manipuliert werden (Schon mal während des Dreschens eingeschlafen?) sorgen für chaotische aber nicht minder spaßige Stunden. Auch Mehrspielerpartien sind möglich. Hier drischt man entweder gegeneinander oder in Zweierteams über die Felder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Spielen der unterschiedlichen Spielmodi verdient man nebenbei Geld, das man in allerlei Extras investieren kann. Dazu gehören Konzeptzeichnungen der Schadensmodelle der verschiedenen Mähdrescher, neue Lackierungen oder sogar Sonderfunktionen, die den Spielablauf verändern können. Um hier alles freischalten zu können, muss man definitiv einige Stunden in das Spiel investieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich ist nicht alles perfekt. Das Finale der Kampagne ist zum Beispiel etwas unfair und hat mich einige Male an meinen Fingerfertigkeiten zweifeln lassen. Aber wir reden hier ja auch von einer Wirtschaftsfahrzeugsimulation und dieses Genre gehört bekanntlich nicht zu den einfachsten der Videospielgeschichte. Außerdem gehören schwere Enden zur „Mähdrescher Kraftfahrzeugsimulator“-Reihe einfach dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist leicht zu erkennen, dass ich begeistert bin von dem Spiel. Ich hätte nie gedacht, dass mich eine Wirtschaftsfahrzeugsimulation mal so gut unterhalten könnte. Leider kommt man hierzulande nur schwer an das Spiel heran. Die Nachfrage war in der ersten Woche der Veröffentlichung so groß, dass schon nach kurzer Zeit alle Exemplare vergriffen waren und es zu Massenschlachten an den Kassen kam, wodurch sich die Geschäfte nun weigern, weitere Exemplare in ihre Regale zu stellen. Ich empfehle somit eine Bestellung über das Internet. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 06 May 2011 12:07:20 +0200</pubDate>
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    <title>Das chaotische Filmdutzend - Teil 9</title>
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            <category>Das chaotische Filmdutzend</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Sven Himmen)</author>
    <content:encoded>
    &lt;em&gt;Da ich meine Freizeit gern in abgedunkelten Räumen vor erhellten Bildschirmen verbringe, laufen mir in regelmäßigen Abständen diverse Filme über den Weg. Gerne würde ich über jeden von ihnen vereinzelte Rezensionen schreiben, leider macht das nicht nur sehr viel Arbeit, sondern mittlerweile einfach jeder. Darum gehe ich anders an die Sache heran. Ich nehme mir die zwölf letzten Filme vor, die ich gesehen habe und verpacke sie in einen einzigen Text. Ohne ihre Titel zu nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei entsteht ein chaotischer Mix aus Informationen, Nebensächlichkeiten und Meinungen. Erst zum Schluss wird dann kurz aufgelistet, welche Filme in welcher Reihenfolge erwähnt wurden. Wenn ich einen Film kurz hintereinander mehrmals gesehen habe, kann er auch wiederholt angesprochen werden. Es geht eben einfach um die letzten zwölf gesehenen Filme meines Lebens. Wer beim Lesen raten möchte, worum es gerade geht, darf dies selbstverständlich gerne tun.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich brauche Urlaub. All der Stress momentan, das ist ja kaum auszuhalten. Aber was kann man dagegen tun? Vielleicht hilft ein Segeltrip? Das klingt doch gar nicht mal so schlecht. Ein paar Freunde mit ins Boot geholt und ab geht der Spaß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei man beim Segeln natürlich sehr vorsichtig sein muss. Wie schnell kann es passieren, dass plötzlich das eigene Boot umkippt? Und dann steht man da auf der Bootunterseite und weiß nicht wohin. Es sei denn, man stößt zufällig auf ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Ein verlassenes Kreuzfahrtschiff, das für sein Alter noch einen erstaunlich intakten Eindruck macht. Doch auch hier sollte man die eigene Freude im Zaum halten. Es besteht immerhin die Möglichkeit, dass das Schiff nicht ganz verlassen ist und ein fieser Killer sein Unwesen treibt. Da wäre es definitiv an der Zeit, sich wieder vom Schiff zu verziehen. „Zeit“ ist an dieser Stelle ein schönes Stichwort, denn wenn neben dem Killer auch noch die Zeit verrücktspielt, weiß man irgendwann gar nicht mehr, was man machen soll. Zudem ist die eigene Tochter gerade in der Wochenendschule. Die kann man doch nicht alleine lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also doch keinen Segeltrip. Das Meer ist auch ohne obige Ereignisse gefährlich genug. Neben Killern könnten dort schließlich auch irgendwelche Mörderkreaturen ihr Unwesen treiben. Ein Megahai zum Beispiel. Oder ein gigantischer Oktopus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ein mögliches Szenario: Diese zwei Gesellen werden durch ein Militärexperiment aus einem Eisberg gesprengt, erwachen aus ihrem Winterschlaf und ziehen nun auf einen Mordfeldzug gegen die Menschheit. Der Eine schwimmt nach links und frisst Flugzeuge und Brücken, der Andere schwimmt nach rechts und versenkt Bohrinseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den zwei Bestien kann niemand etwas entgegensetzen. Würde man annehmen. Das ist jedoch falsch, denn zum Glück gibt es auf der Welt eine Gruppe Wissenschaftler, die in ihrer Freizeit gerne buntes Zeug vermischt und den dabei entstehenden bunten Flüssigkeiten ihre von absoluter Begeisterung durchtränkte Aufmerksamkeit zukommen lässt. Nebenbei schrubben die Leute sich auch noch gegenseitig in der Besenkammer und so ist garantiert, dass das letzte Stündchen der Menschheit doch noch nicht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dafür aber die der gut gemachten Liebesfilme. Was einem hier an Beziehungsquatsch vorgeführt wird, zieht jedem Oktopus die Socken aus. Alle. Dabei sind Liebesgeschichten doch gar nicht so schwer zu inszenieren. Man braucht lediglich einen Mann, der zu einer Frau andauernd „Wie ihr wünscht.“ sagt, eine Frau, die sich davon angezogen fühlt, einen bösen Prinzen, Piraten, Verbrecher, Schauspielwrestler und Columbo. Das alles wirft man auf eine Silberscheibe und garniert es mit einer großen Prise Humor. Schon hat man ein Liebesgericht geschaffen, das die eigenen Schmetterlinge im Bauch noch lange ernähren wird. Übrigens: Mischt man diesem Essen hin und wieder eine Prise Gift unter, kann man sich diesem gegenüber sogar immun machen! Und Abhärtung ist immer gut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem, wenn man in den Urlaub fährt, um dann doch noch einmal auf das Startthema zurückzukommen. Statt über das Meer, könnte man ja auch mal über das Land segeln. Mit einem Auto. Auf diese Weise könnte man immerhin mal auf ein paar hinterwäldlerische Hotelbesitzer und Hitlersympathisanten stoßen, die mit ihren Gästen die reine deutsche Rasse weiterleben lassen möchten. Wer das nicht will, wird eben geschlachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein. Eigentlich klingt das gar nicht richtig nach Urlaub. Eher nach Qualen. Einmal für die Beteiligten natürlich, aber auch als bloßer Zuschauer würde man schon bald das Interesse an dieser Darbietung verlieren. Nicht Neues, keine guten Ideen und Langeweile hat man schon zu Hause genug. Von meinem Urlaubsziel erwarte ich da deutlich mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss ja zum Beispiel nicht immer nur eine einzige Geschichte erzählen. Warum nimmt man nicht einfach viele kleine Gruselgeschichten und verpackt sie in eine Rahmenhandlung? Alleine zum Thema Halloween würden einem doch unzählige Dinge einfallen. Vergiftete Süßigkeiten, Festtagsvermieser, skrupellose Busfahrer, gierige Kinder, Kürbisgesichter... Halloween hat so viel zu bieten, dass das Zusehen eine wahre Freude ist. Vor allem, wenn man als Hauptfigur ein kindlich aussehendes Wesen mit Sack auf dem Kopf wählt. Böse Kinder sind doch immer toll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zumindest, wenn man „kindlich“ auf das Alter und nicht nur auf die Körpergröße bezieht. Nehmen wir als Beispiel doch mal einen Piranha. Oder besser: Mehrere Piranhas. Diese sind von Natur aus ja auch nicht gerade groß und trotzdem ziemlich langweilig. Diesen Umstand könnte man natürlich durch fehlgeschlagene wissenschaftliche Experimente schnell ändern. Plötzlich würde sich die Größe der Fische exponentiell verdoppeln! Ein Traum! Jedenfalls für Leute, die zum Angeln gerne mit Hubschraubern über Gewässer fliegen und dabei die Wasseroberfläche bombardieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese neuartige Angelform interessiert unsere Piranhas zum Glück nicht die Bohne. Sie wachsen einfach so lange weiter, bis sie nicht nur die Größe eines Hauses angenommen haben, sondern sich zu diesen auch noch hingezogen fühlen und sich kopfüber in sie hineinstürzen. Das ist als Zuschauer natürlich großartig anzusehen, lässt einen dabei aber auch immer wieder Dinge wie „Was?“, „Warum?“ oder „Wie dumm!“ rufen. Zumindest die ersten fünf Minuten. Danach ist einem alles egal und die Guckfreude wird stetig verringert. Laufen einem währenddessen auch noch irgendwelche Schauspielerflachpfeifen über den Weg, würde man am liebsten nur noch wegsehen. Aber spätestens beim Ende, das gar kein Ende ist, schickt man den Film sowieso in die Wüste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, nicht in die Wüste. Die Wüste wäre noch viel zu angenehm. In den Dschungel mit ihm! Wir schicken ihn zusammen mit ein paar abenteuerlustigen Jugendlichen auf eine Ruinenbesichtigung. Das wäre doch großartig! Man müsste nur sicherstellen, dass wir es hier nicht mit irgendwelchen Ruinen zu tun haben, sondern mit von Killerpflanzen bewachsenen. Das wäre nicht nur spannend inszeniert und toll anzusehen, sondern für unseren Vorfilm auch kein Ort, an dem er alt werden würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei alt werden schon wieder so etwas Ödes und Normales ist. Warum muss man denn immer alt werden? Kann man die natürlichen Abläufe nicht einfach mal umdrehen? Warum alt werden, wenn man auch jung werden kann? Das wäre doch mal etwas. Als Opa auf die Welt kommen und von Tag zu Tag fitter werden. Spannend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl man mit dieser positiven Sichtweise vorsichtig sein muss. Nicht alles wäre an dieser Situation toll, schließlich würden die Menschen um einen herum alles andere als normal auf einen reagieren. Aber was soll man machen? Es handelt sich hier um das eigene Leben! Man kann es ja nicht ändern.  Also gibt man sich dem Umstand hin und erlebt so ein Leben voller Spannungen, Liebe, Freundschaft, Verlust und interessanten Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hin und wieder wird man aber sicherlich auch mal mit fiesen Albträumen zu kämpfen haben. Das ist vollkommen normal. Und außerdem gibt es Experten, die sich mit solchen Träumen beschäftigen. Radiomoderatoren zum Beispiel, die eine Gruppe jugendlicher Stereotypen über ihre schlimmsten Albträume ausfragen und dabei einer Serienmörderin allerlei Ideen zuspielen, wie sie besagte Jugendliche umbringen kann. Dadurch kommt es zu einem Filmdebakel, dessen verhunzte Inszenierung und schlechte Qualität nur noch durch eine Geschichte um ein Mädchen, das in seinen Lehrer verliebt ist, zum Stalker wird und ihm das Leben zur Hölle macht getoppt werden könnte. Oder wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solchen Jugendlichen sollte mal jemand einen, entschuldigt die Ausdrucksweise, Arschtritt verpassen. Aber wer sollte das tun? Schließlich gibt es in der echten Welt keine Superhelden. Warum eigentlich nicht? Irgendjemand muss doch mal auf die Idee kommen, sich ein Kostüm anzuziehen und auf Verbrecherjagt zu gehen. Ich finde diese Idee großartig und solch eine Geschichte in Filmform präsentiert zu bekommen, hätte definitiv seinen Reiz. Man dürfte es nur nicht zu sehr mit der Gewaltdarstellung, der Action und den unrealistischen Momenten übertreiben. Was aber leider leichter gesagt ist als getan. Scheinbar wünschen sich viele Leute eine solche Inszenierung und lassen sich von Killerkindern zu sehr in den Bann ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach all diesen komischen Momenten komme ich nun wieder zurück zu meiner ersten Aussage: Ich brauche Urlaub. Leider ist mir Urlaub zu teuer. Darum hoffe ich nun darauf, dass mein Chef irgendwann mal eine Betriebsreise organisiert. Irgendwo in einer abgelegenen Waldhütte könnte man zusammen mit den Kollegen sicherlich tolle Abenteuer erleben. Bären, Bärenfallen, verrückte Waffenfanatiker und gefundene Kuchen dürften auf jeden Fall für sehr gute Unterhaltung sorgen. Wenn man das alles dann nicht zu ernst nimmt, kommt man ganz bestimmt ganz entspannt nach Hause. Wenn man überlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----------&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;135-2010, Triangle, 31.12.2010&lt;br /&gt;
001-2011, Mega Shark vs. Giant Octopus, 01.01.2011&lt;br /&gt;
002-2011, Die Braut des Prinzen, 01.01.2011&lt;br /&gt;
003-2011, Frontier(s), 01.01.2011&lt;br /&gt;
004-2011, Trick&#039;R&#039;Treat, 01.01.2011&lt;br /&gt;
005-2011, Megapiranha, 02.01.2011&lt;br /&gt;
006-2011, Ruinen, 02.01.2011&lt;br /&gt;
007-2011, Der seltsame Fall des Benjamin Button, 02.01.2011&lt;br /&gt;
008-2011, American Nightmare, 02.01.2011&lt;br /&gt;
009-2011, Scream &amp;amp; Die, 03.01.2011&lt;br /&gt;
010-2011, Kick-Ass, 03.01.2011&lt;br /&gt;
011-2011, Severance, 03.01.2011&lt;/em&gt; 
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    <pubDate>Mon, 18 Apr 2011 22:19:15 +0200</pubDate>
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