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Freitag, 3. September 2010
Liebes Tagebuch,
es ist endlich soweit. Ich gehe in ärztliche Behandlung. Heute ist vermutlich der letzte Tag, an dem wir voneinander lesen. In wenigen Stunden werde ich einen Psychologen aufsuchen. Endlich. Hoffentlich kann er mir helfen. Vor Aufregung habe ich heute recht wenig geschlafen und somit nicht so ausgiebig geträumt wie sonst. Dennoch war vor allem das Ende des Traums verstörend.
Aber von vorne: Ich war mal wieder eine Frau. Diesmal hatte man meine Tochter entführt und nutze diesen Umstand, um mich zu erpressen. Ich sollte für einen gemeinen Gangsterboss einen Auftrag erledigen. Weigerte ich mich, würde er meine Tochter töten. Der Auftrag klang einfach: Einer Gruppe französischer Krimineller einen Koffer klauen.
Man stellte mir ein Team aus ultracoolen Kumpanen zusammen und gemeinsam schlugen wir zu. Zuschlagen meine ich hier übrigens wörtlich. Wir waren kampfsporttechnisch extrem gut ausgebildet und sorgten unter unseren Gegner für diverse schwere Verletzungen. Leider ging dennoch etwas schief. Der Koffer gelang in die falschen Hände und ich zwischen die Fronten. Das war mir dann zu viel des Guten.
Ich zog mich zurück und nutze meine Kampfsporterfahrung stattdessen, um ein gefürchteter, plötzlich wieder männlicher, Krieger im Asien längst vergangener Tage zu werden. Da mir ein Schwert alleine nicht reichte, hatte ich gleich vierzehn davon. Zusammengepackt in einer technisch sehr gut durchdachten Kiste. Jedes der Schwerter hatte einen eigenen Zweck zu erfüllen. Eines war für Verräter am König, eines für mich selbst (sollte ein Auftrag scheitern) und so weiter. Es war wahnsinnig schwer, sich all diese Informationen zu merken und ich kam hin und wieder durcheinander. Darum ließ ich auch diesen Beruf irgendwann links liegen und ging stattdessen in Rente.
Als alter Mann lebte ich in einer kleinen Wohnung mitten in einem riesigen englischen Plattenbaukomplex. Leider war dort nicht alles voller alter Männer, sondern eher voller jugendlicher Krimineller. Ich konnte zwar ebenfalls auf eine kriminelle Laufbahn zurückblicken, aber im hohen Alter wird man bekanntlich intolerant und als auch noch mein bester und letzter Freund von diesen Jugendlichen umgebracht wurde, reichte es mir dann. Ich nahm das Gesetz selbst in die Hand und wollte mich an den Tätern rächen. Dafür war mir jedes Mittel recht und ich hätte auch vor nichts zurückgeschreckt, wenn der Traum nicht in diesem Moment eine unerwartete Wendung genommen hätte. Ich war plötzlich ein Autoreifen.
Ja, ein Autoreifen. Aber ein lebendiger Autoreifen. Mit telepathischen Fähigkeiten. Ich konnte zum Beispiel Hasen explodieren lassen. Oder Krähen. Oder Menschenköpfe. Das tat ich auch sehr ausgiebig. Keiner konnte mir etwas anhaben. Ich rollte und rollte und rollte, bis ich aufwachte. Neben meinem Bett liegend. Ich war heraus gerollt. Wenigstens war ich noch zu Hause und nicht in einem anderen Land.
Dieser Traum hat mir jedenfalls den Rest gegeben. Ich meine... ein Autoreifen? Sollte ich das dem Psychologen überhaupt erzählen? Ich bin ja gespannt, was er daraus schließt. Ein wenig Angst habe ich schon. Aber egal. Ich muss das jetzt durchziehen. Ich halte das wirklich nicht mehr aus.
Darum mache ich jetzt auch langsam Schluss. Ich möchte mich aber natürlich noch bei dir bedanken, liebes Tagebuch. Danke für die stets offenen Seiten. Ich wüsste nur zu gerne, ob du dir selbst Gedanken über mich und meine Träume gemacht hast. Die Resultate würde ich wirklich gerne lesen können. Noch einmal: Danke für alles. Vielleicht melde ich mich ja noch einmal bei dir. Aber um ehrlich zu sein: Ich hoffe nicht.
Guten Tag,
Dein Stiftnürsel.
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Notizen des Tagebuchs:
Patient...
- hat immer noch Frauenphantasien.
- hat immer noch Probleme mit Franzosen.
- wäre offensichtlich gerne kriminell. Gelangweilt vom eigenen Lebensstil?
- gibt sich nicht mit wenig zufrieden.
- denkt ans Altwerden.
- nimmt das Gesetz auch mal gerne selbst in die Hand.
- wäre gerne ein... Autoreifen.
- mag es, wenn alles rund läuft.
- hat immer noch einen unruhigen Schlaf.
Maßnahmen:
- Drei Wochen Frankreich, eine Woche Griechenland.
- Tägliche Freizeitaktivitäten einplanen.
- Bescheidenheit lehren.
- Am Bett festketten.
Schlussgedanken:
Ich habe es hier offensichtlich mit einer gestörten Persönlichkeit zu tun, die schizophrene und rassistische Gedanken hegt, äußerst ausgeprägte sexuelle Probleme hat, von Gewaltphantasien geplagt wird, keinerlei innere Ruhe verspürt und gerne ein Autoreifen wäre. Ich empfehle entweder eine sofortige Notschlachtung oder ein absolutes Hausverbot beim nächsten „Fantasy Filmfest“.
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Freitag, 3. September 2010
Liebes Tagebuch,
soeben bin ich zu Hause angekommen. Der Flug von Griechenland nach Frankfurt verlief ohne nennenswerte Probleme. Ich sollte mehr darauf achten, was ich am Ende meiner Einträge schreibe. Es könnte eintreffen. Griechenland war übrigens sehr schön. Zumindest soweit ich das beurteilen konnte. Ich habe von meiner spontanen Kurzreise ja nicht viel mitbekommen. Den Hinflug habe ich zum Beispiel komplett verschlafen. Natürlich habe ich auch sehr ausgiebig geträumt. Mal wieder.
Angefangen hat diesmal alles in einer Sumpfregion. Mit einem Boot fuhr ich durch Schilflandschaften und ein paar Freunde leisteten mir dabei Gesellschaft. Wir hatten ziemlich viel Spaß, tranken Alkohol und brüllten fröhlich durch die Gegend. Wie man das eben so macht. Bis wir uns dazu entschieden, mit dem Boot die sicheren Gewässer zu verlassen und direkt durchs Schilf zu fahren. Das sorgte nämlich dafür, dass unser Boot einen großen Holzstock unter Wasser rammte, der sich fröhlich durch den Schiffsboden und einen meiner Freunde bohrte. Das war nicht nur unangenehm, sondern auch noch die Einleitung für die nun folgenden merkwürdigen Ereignisse.
Man sah sich selbst am anderen Ufer, hörte Geräusche, Stimmen und Schritte und irgendwie kamen immer mehr meiner Freunde ums Leben. Als mir das zu viel wurde, bin ich zurück nach Hause geschwommen. Nur um dort festzustellen, dass meine Firma pleitegegangen ist. Hartnäckig wie ich nun einmal bin, habe ich natürlich auf meine Abfindung bestanden. Auch wenn das bedeutete, dass ich mit meinen restlichen Arbeitskollegen ein halbes Jahr lang gelangweilt im leeren Firmengebäude warten musste. Es herrschte Anwesenheitspflicht. Sonst gab es keine Abfindung. Öde.
Kurz vor Ende der Sitzzeit bekamen wir dann plötzlich einen neuen Kollegen. Der war ein äußerst verschlossener Geselle und gab nicht viel über sich preis. Offensichtlich ein Spion der Firma um zu überprüfen, ob wir auch wirklich alle anwesend waren und uns benahmen. Also mussten wir uns von nun an still verhalten. Wir saßen herum und langweilten uns. Dafür wuchs das Misstrauen. Wir wünschten dem Neuen die Pest an den Hals. Wir konnten ja nicht ahnen, dass er sie tatsächlich bekommen würde. Er war der erste, der an der Beulenpest zugrunde ging und von nun an breitete sie sich in allen umliegenden Dörfern aus.
Aber es gab Gerüchte: Von einem Dorf in den Sümpfen, das von der Pest verschont blieb. Ich stellte mir einen Trupp ehrenhafter Ritter zusammen und mit einem Mönch im Schlepptau begab ich mich auf die Reise zu diesem gottlosen Ort. Es hieß, ein mächtiger Nekromant würde die Dorfbewohner schützen. Das konnten wir natürlich nicht durchgehen lassen. Im Dorf angekommen standen wir aber vor einem Problem: Der Nekromant war lediglich ein Highshoolmädchen mit großen psychischen Problemen. In einem Moment der Unachtsamkeit überrumpelte mich dessen Vater und verschleppte mich in sein abgelegenes Haus.
Dort erwacht stellte sich heraus, dass sie gerne mit mir auf einen Schulball gegangen wäre, da ich aber abgelehnt hatte, veranstaltete sie nun ihren ganz eigenen Ball zu Hause. Mitsamt an den Boden genagelten Füßen und vielen anderen unangenehmen Überraschungen. Aber zum Glück konnte ich entkommen. Nach Griechenland. Dort war ich aber auch nicht unbedingt besser dran. Auch hier traf ich auch verrückte Charaktere. Noch schlimmer: Ganz Athen war von Zombies überrannt. Ich bewaffnete mich mit allem, was man irgendwie als Waffe verwenden konnte, verbündete mich mit den letzten echten Menschen und versuchte, die Seuche zu beenden. Leider weiß ich nicht, ob ich es geschaffen habe, denn ich wachte plötzlich auf. An einem griechischen Flughafen.
Ich weiß nicht, was erschreckender ist. Dass ich in Griechenland aufgewacht bin oder dass ich es schlafwandelnd überhaupt bis dahin geschafft habe. Ich habe zu Hause sofort einen Arzt angerufen. Morgen habe ich einen Termin. Noch eine Nacht. Das werde ich schon schaffen. Vielleicht schließe ich mich sicherheitshalber zu Hause ein und verstecke den Schlüssel. Mal sehen. Ich halte schon durch.
Guten Tag,
Dein Stiftnürsel.
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Notizen des Tagebuchs:
Patient...
- hat sehr ausgeprägte Schlafwandelprobleme.
- brüllt herum, wenn er Alkohol trinkt.
- sieht sich manchmal selbst und hört Geräusche.
- ist sehr auf Geld fixiert.
- ist immer noch sehr paranoid.
- ist sehr schüchtern im Umgang mit Mädchen.
- hält Griechen für verrückt.
Maßnahmen:
- Am Bett festketten.
- Striktes Alkoholverbot.
- Stärkere Beruhigungstabletten verschreiben.
- Erklären, dass Geld nicht alles ist im Leben.
- Profil auf Partnervermittlungsinternetseiten anlegen.
- Statt drei Wochen Frankreichurlaub: Zwei Wochen Frankreich, eine Griechenland.
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Mittwoch, 1. September 2010
Liebes Tagebuch,
heute Morgen bin ich im Garten aufgewacht und hatte einen merkwürdigen Geschmack im Mund. Ich hoffe, dass ich lediglich Erde gegessen habe. Grund zu der Annahme besteht, da ich in meinem gestrigen Traum aus der Erde gekrochen kam. Ganz klassisch. Erst die Hand ausstrecken, fühlen, ob alles klar ist, dann den restlichen Körper nachholen. Voller Erde bedeckt bin ich dann durch den Wald und vor einen LKW gerannt, der wiederum ein Auto rammte, das sofort in Flammen aufging. Kein guter Start würde ich meinen. Nach diesem Unfall bin ich dann in das Haus meiner verstorbenen Mutter eingezogen, die mich zunächst noch in der hiesigen Leichenhalle erschrecken wollte. Hat aber nicht funktioniert. Dass eine Leiche für einen kurzen Moment lebendig wird, meinen Arm greift und mich ankreischt war zu erwarten. Passiert schließlich immer, wenn man sich Leichen anguckt.
Zu Hause ging das dann im Grunde so weiter. Erst hat sie es mit dem berühmten Spiegelschocker versucht, dann mit der Hand aus dem Schatten. Wie gesagt: Ich war vorbereitet, bin ein harter Hund. Als ich die Geschehnisse im Haus unter Kontrolle hatte, habe ich mich wieder meiner Arbeit gewidmet. Ich war Chirurg. Ein sehr guter. Ich habe es tatsächlich geschafft, meine drei Hunde in einen zu verwandeln. Verflixt und zusammengenäht, das war vielleicht eine Arbeit. Leider hat sie nicht überlebt. Zum Glück liefen mir sogleich ein paar Menschen über den Weg, die ich nun als neue Versuchskaninchen benutzen konnte.
Zunächst entfernte ich ihnen die Kniescheiben, damit sie nicht mehr laufen konnten. Dann nähte ich Person zwei mit den Lippen an den Hintern von Person eins und Person drei mit den Lippen an den Hintern von Person drei. Somit musste ich nur noch Person eins Füttern, die wiederum mit ihren Ausscheidungen Person zwei fütterte, die wiederum auf die gleiche Art Person drei fütterte. Ein genialer Plan. Leider waren meine Probanden nicht damit einverstanden, dass ich das Experiment an ihnen durchführen wollte und besuchten spontan ein Terroristencamp, um sich gegen mich verteidigen zu können.
Dort lernten sie den Umgang mit Schusswaffen und bereiteten so einen Anschlag auf mein Haus vor. Zum Glück waren sie nicht besonders geschickt bei der Planung und im Grunde lief alles schief, was schieflaufen konnte und sie töteten nicht mich, sondern eine Krähe. Um dennoch ein bisschen Abstand zwischen sie und mich zu bringen, bin ich dann in den Urlaub gefahren. Ich hatte erst kürzlich eine Waldhütte gekauft und wollte dort nun mit meinem besten Freund ein paar Urlaubstage verbringen. Leider waren wir nicht die einzigen, die dort Urlaub machen wollten und so trafen wir auf eine Gruppe Jugendlicher, die uns irgendwie von Anfang an feindlich gegenüber eingestellt waren.
Sie hatten ein ziemliches Egoproblem und kein Interesse daran, das Ganze mit uns auszudiskutieren. Sie waren viel zu sehr damit beschäftigt sich selbst umzubringen. Darum sind wir dann geflüchtet. In die virtuelle Welt. Mit VR-Helmen tauchten wir in ein Militärtrainingsprogramm ein, dass nicht nur ungemein realistisch aussah, sondern auch noch von einem Geist befallen wurde. Dieser tötete die Spieler in seiner Welt, was sich aber leider auf die Realität übertrug. Undangenehme Situation. Da wachte ich dann doch lieber auf. Im Garten.
Ich hoffe, dass der Geschmack wirklich von Erde kommt. Der Traum um einen Tausendfüßler lässt aber schlimmes ahnen. Das Schlafwandeln lässt auch nicht nach. Ich werde heute einen Traumexperten anrufen und einen Termin für ein Gespräch beantragen. Lange halte ich das nicht mehr aus. Und wer weiß, wo ich morgen aufwache. Griechenland?
Guten Tag,
Dein Stiftnürsel.
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Notizen des Tagebuchs:
Patient...
- besitzt einen Garten.
- träumt von einer Art Wiedergeburt.
- hat Angst vor Autounfällen.
- hat immer noch einen Mutterkomplex.
- kennt sich gut mir Horrorfilmen aus. Ist nicht leicht zu erschrecken.
- träumt von Doktorspielchen. Sexuelle Probleme in der Jugend?
- mag immer noch keine Hunde.
- hat verstörende Kot- und Ernährungsphantasien.
- fürchtet terroristische Angriffe.
- sehnt sich nach Urlaub auf dem Land.
- hat immer noch Probleme mit Jugendlichen und Kindern.
- taucht gerne in virtuelle Welten ab.
- hat Angst vor Geistern.
Maßnahmen:
- Jahresabonnement der „Landidee“ schenken.
- Bibeln aus dem Haus verbannen.
- Führerschein machen lassen.
- Mutter über Geschichten aus der Kindheit befragen.
- Teilnahme am perfekten Promidinner.
- Keine amerikanische Nachrichtensendungen mehr.
- DVD-Box: „Heidi“ besorgen.
- Jahresabonnement für „World of warcraft“ schenken.
Nachforschungen anstellen:
- Was hat er für ein Problem mit Griechenland?
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Mittwoch, 1. September 2010
Liebes Tagebuch,
nein, ich werde nicht verrückt. Das darf einfach nicht passieren. Ich muss mich beruhigen. Seit Tagen scheine ich mich in etwas rein zu steigern und so kann es einfach nicht weitergehen. Diese Nacht war es so schlimm wie noch nie. Zunächst war ich ein französischer Soldat, der mit seinen Soldatenkumpels mitten in der Wüste von Djinns angegriffen wurde. Nach und nach manipulierten sie die Gedanken meiner Kollegen und wir dezimierten uns gegenseitig. Dann war da auch noch diese komische Frau mit ihrem Tattoo im Gesicht. Sie schien irgendwie zu wissen, was vor sich ging. Helfen konnte oder wollte sie aber nicht. Sie meinte immer nur, dass ich die Djinns aufhalten sollte. Also stellte ich mich ihnen entgegen.
Einer der Djinns war besonders aggressiv. Er trug dunkle Kleidung und verfolgte mich mit einem Löffel, um mich damit zu töten. Natürlich dauerte das eine Weile. Im Traum schienen Jahre zu vergehen, in denen er mich verfolgte und mit dem Löffel schlug. Irgendwann standen wir zwei uns dann gegenüber und er erzählte mir alles aus meinem Leben. Er kannte jedes Detail. Er kannte meine Familie, meinen Lebensweg, meinen Beruf. Er wusste sogar, dass ich am liebsten in einem verlassenen Büro sitze und dort Fragebögen beantworte.
Nachdem ich einen dieser Bögen ausgefüllt hatte, ging ich nach Hause. Meine Umgebung war ziemlich heruntergekommen, was an einer Zombieinvasion lag. Einen dieser Zombies hatte ich bei mir im Garten angekettet und quälte ihn. Natürlich nicht grundlos. Ich war in ihn verliebt. Als er meine Liebe aber nicht erwidern wollte, bin ich ziemlich ausgerastet und habe ihn gefangen. Dann habe ich ihm ein Tattoo auf den Arm tätowiert.
Das Tattoo war ein halbes Herz. Wo ich die zweite Hälfte hin tätowierte, hatte ich ihm aber nicht verraten. Und so rannte mein Freund nun durch die Gegend und versuchte das passende Gegenstück zu finden. Und eine Prostituierte zu bezahlen. Mit dieser fuhr er dann in eine verlassene Wildnis, um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Ich wollte mich unterdessen frisch machen. Ein schönes Bad wollte ich mir genehmigen. Leider lag ohne Grund plötzlich die Leiche eines Mannes in meiner Wanne.
Die Entsorgung der Leiche brachte keinerlei Besserung. Sie tauchte immer und immer wieder auf. Viele Jahre später war ich alt. Sehr alt. Ich war eine alte Dame, die nur noch mit Gehhilfe vorwärts kam. So ging ich durch den Park, bis ich mir mit einer ebenfalls alten Gehhilfenbenutzerin ein Wettrennen lieferte. Letztendlich wurde mir das Rennen aber zu langweilig. Ich war nicht nur wieder ein Mann, sondern erkannte auch meine Leidenschaft für das Kino. Also setzte ich mich hin, um als erster Mensch den Farbfilm zu entwickeln. Das war aber schwerer, als ich zunächst dachte.
Um mir nützliche Tipps abzuholen, ging ich ins Internet. Dort findet man schließlich alles. Vor allen in Chatcommunitys. Ich eröffnete einen neuen Raum, stellte ein paar Möbel auf und erwartete meine Besucher. Diese trafen auch ein. Leider handelte es sich bei ihnen um einen Haufen römischer Soldaten, die von aufgebrachten Pikten verfolgt wurden. Diese kamen uns bedrohlich nahe und somit beschloss ich, die Sache selbst zu regeln.
Ich schnappte mir eine Axt und tötete alles und jeden, der mir in den Weg kam. Aber ich beschränkte mich nicht nur auf die Axt. Ob Kettensäge oder Schleifgerät, alles diente mir als Mordwerkzeug. Zum Schluss war ich von oben bis unten mit Blut bedeckt. Um es abzuwaschen ging ich im Meer schwimmen. Dabei wurde ich dann von einem Hai gefressen und erwachte schreiend vor der Metzgerei neben meiner Wohnung.
Liebes Tagebuch, das war die verrückteste Nacht, die ich bisher erleben durfte. Die Schuld daran trage höchst wahrscheinlich ich selbst. Ich steigere mich da in eine Furcht hinein, die ich, wenn das so weitergeht, niemals selbst bekämpfen kann. Aber ich werde es weiter versuchen. Ich werde mich beruhigen. Und meine Träume werden sicherlich wieder normale Züge annehmen. Jetzt frühstücke ich erst einmal. Beim Metzger gab es heute Mettigel im Sonderangebot.
Guten Tag,
Dein Stiftnürsel.
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Notizen des Tagebuchs:
Patient...
- hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
- hat immer noch Probleme mit Franzosen.
- träumt immer noch von Tattoos.
- lässt bereits sein Leben Revue passieren. Es wird ernst!
- beantwortet gerne Fragebögen. Stark ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis.
- wird schnell eifersüchtig.
- sehnt sich nach einer festen Bindung mit einer Prostituierten.
- badet gerne.
- hat Angst vor dem Altwerden.
- geht gerne ins Kino.
- treibt sich gerne in Chats herum.
- stattet Wohnungen gerne mit passenden Möbeln aus.
- interessiert sich für das alte Rom.
- träumt von kreativen Tötungsorgien. Aggressionsproblem?
- hat Angst vor Haien.
- hat eine Metzgerei neben der Wohnung.
Maßnahmen:
- Frankreichurlaub auf drei Wochen verlängern.
- Ganzkörpertätowierung vorschlagen.
- Antidepressiva.
- Adresse an Umfragecallcenter weitergeben.
- Prostituierte testen, ob sie für feste Bindung geeignet sind.
- Größere Badewanne kaufen.
- Eine Woche in einem Altersheim aushelfen lassen.
- Kinogutschein besorgen.
- Sims 3 auf Computer installieren.
- Asterix und Obelix Ausgaben kaufen.
- Beruhigungstabletten.
- Frankreichurlaub mit Strandaufenthalten verbinden.
- Mettigel im Sonderangebot. Heute unbedingt noch einkaufen fahren.
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Dienstag, 31. August 2010
Liebes Tagebuch,
ich muss mich beruhigen. Ich kann nicht mehr. Es wird immer verrückter. Ich war letzte Nacht ein Gefangener! Ein freiwilliger Gefangener! Ich träumte davon, dass ich an einem Experiment teilnahm. Es ging um menschliches Verhalten. Ich wurde zusammen mit einer Gruppe anderer Menschen eingesperrt und von beobachtet. Wir wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Meine Gruppe war die der Gefangenen, der andere Teil gehörte von nun an zu den Wärtern und durfte uns von nun an herumkommandieren.
Ich hatte aber keine Lust ihnen zu folgen. Irgendwie war ich sehr rebellisch eingestellt. Darum quälten mich die Wärter irgendwann auch. Sie pinkelten mich an und steckten meinen Kopf in eine Toilette. Danach rasierten sie mir den Kopf. Und in eine Waschmaschine haben sie mich auch gesperrt. Wobei ich nicht weiß, ob es wirklich eine Waschmaschine war. Jedenfalls war es ein sehr enger Ort.
Ich wusste aber die ganze Zeit über, dass das alles nur gespielt war. Das waren keine echten Wärter und ich war kein echter Gefangener. Alles war nur ein Experiment. Ein Spiel. Ein Rollenspiel. Darum fuhr ich auch irgendwann in den Wald um meine Freundin zu suchen. Die nahm ebenfalls an einem Rollenspiel teil. Um sie zu erreichen, musste ich mir jedoch mittelalterliche Kleidung anziehen. Sonst wäre ich zu sehr aufgefallen. Ich traf ebenfalls auf meinen Bruder, der mich immer weiter in dieses Rollenspiel hineinzog. Dann gab es da noch einen merkwürdigen Magier. Der wollte ein Ritual abhalten. Mit meiner Freundin. Als ich ihn aufhalten wollte, kippte die Stimmung plötzlich. Irgendwie wurde das Rollenspiel plötzlich ernst und man ging aufeinander los. Zum Glück konnte ich Kung-Fu.
Mit ein paar geschickten Tritten konnte ich meine Gegner in die Flucht schlagen. Und das trotz eines kaputten Beins. Nach dem Kampf ging ich nach Hause und trauerte mit meinem Freund um meinen Meister, der seit dreißig Jahren in einem Koma lag, aus dem er wohl nie wieder erwachen würde. Dann tauchte plötzlich ein tollpatschiger Junge aus der Stadt auf. Und ein paar Einbrecher. Die wollten den Meister aus dem Fenster werfen, ließen ihn jedoch auf den Boden fallen, wodurch er wieder erwachte. Somit waren wir wieder vereint. Der Meister und seine Schüler. Der Junge aus der Stadt blieb auch bei uns. Unser Meister hielt ihn nämlich für seine beiden Schüler. In einer Person.
Und dann war da noch dieser Typ, der unseren Teeladen schließen wollte. Das ließen wir natürlich nicht mit uns machen. Es kam zu einem Kampf, bei dem wir einen Großteil Nordamerikas zerstörten. Zunächst waren wir schockiert darüber, dann erfuhren wir jedoch, dass wir gar nicht dafür verantwortlich waren, sondern Außerirdische. Diese kamen in Sporenform auf die Erde und entwickelten sich dort weiter in gigantische Tentakelmonster. Natürlich war die Menschheit alles andere als Erfreut darüber. Ich auch nicht. Schließlich musste ich eine Frau in Sicherheit bringen, die ich nicht einmal kannte.
Wir fuhren durch dichte mexikanische Wälder und fühlten die ständige Bedrohung um uns herum. Wir wurden sogar von bewaffneten Männern begleitet. Leider konnten sie uns auch nicht mehr helfen, als die Aliens auftauchten. Nein. Eigentlich war es nur eins. Und so groß wie zu zuvor beschrieben war es dann auch nicht. Es hatte eher die Größe eines Mädchens. Dafür machte es einen sehr bösen Eindruck auf mich, wie es da in seinem Bett lag und meinen Kameramann beobachtete.
Ich wollte das Mädchen retten. Es war von diesem Alien oder besser Dämon besessen und diesen wollte ich austreiben. Was sich aber als alles andere als einfach herausstellen sollte. Irgendwie wollte ich es nicht wahr haben, dass es sich hier um einen Dämonen handeln sollte und nahm das alles nicht besonders ernst. Bis es dann ernst wurde. Der Dämon griff an und eine riesige Schlacht entbrannte, bei der tausende Soldaten starben. Nur ich nicht. Ich war nämlich intelligent. Ich stellte mich einfach tot. Das hat zwar nicht viel mit Ehre zu tun, dafür konnte ich aber einen ziemlich hochrangigen General der Gegner fangen. Diesen wollte ihn in meine Heimat bringen, um so ein hohes Lösegeld einkassieren zu können. Leider hatte ich auf meinem Weg mit diversen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zum Glück konnte ich noch immer Kung-Fu.
Das Kung-Fu konnte mich aber nicht davor retten, in eine Anfängerfalle zu treten. Eine Frau verabreichte mir einen Schlaftrunk und ich wachte auf. In meinem Bett. Meine Hand tat weh. Ich hatte wohl während meiner Traumkämpfe um mich geschlagen. Mein Metallstuhl ist an einer Stelle ziemlich zerbeult. Aber nicht so sehr wie meine Hand. Ich glaube, ich werde verrückt.
Guten Tag,
Dein Stiftnürsel.
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Notizen des Tagebuchs:
Patient...
- fühlt sich eingeengt.
- flüchtet wieder in eine sich unterordnende Rolle.
- hat großes Interesse an menschlichen Ausscheidungen.
- ist fasziniert vom Mittelalter.
- würde gerne eine Kampfkunst erlernen.
- leidet unter schizophrenen Gedanken.
- hat Angst vor Alienangriffen.
- hat noch immer Probleme mit Kindern.
- hat Angst vor Dämonen.
- hält nicht viel von Ehre.
- versteckt sich vor seinen Problemen.
- tauscht Menschenleben für Geld ein.
- hat eine sehr aktive Traumphase.
Maßnahmen:
- Schlafzimmer in einem größeren Raum anlegen.
- Nebenjob als Reinigungskraft in einer Kinotoilette.
- Kampkunstkurs besuchen.
- Verbot der Serie „Akte-X“
- Vortrag über Sklavenhandel besuchen.
- Alle harten Gegenstände im Schlafzimmer mit Gummi überziehen.
Nachforschungen anstellen über:
-Besteht vielleicht eine Verbindung zwischen Meerjungfrauen und Tentakelmonstern?
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